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Merck's Warenlexikon 1884

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Kategorie: Historische Lexika

Merck's Warenlexikon, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884
Merck’s Warenlexikon ist ein Nachschlagewerk der Warenkunde für Handel, Industrie und Gewerbe, das von 1871 bis 1922 in mehreren Auflagen erschien.

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Biberfelle (frz. Laine de Moscovie; engl. Beaver-skin) sind einer der hauptsächlichsten Ausfuhrartikel Nordamerikas, namentlich Kanadas und der Hudsonbailänder, haben aber viel an Bedeutung verloren gegen frühere Zeiten, wo fast alle Felle geschoren und das Haar zu den feinsten Männerhüten (Kastorhüten) verbraucht wurde. Seitdem diese Industrie fast gar nicht mehr besteht, zählt der Biber mehr zu den andern Pelztieren. Außer Nordamerika findet sich der Biber in Rußland, im europäischen nicht häufig, mehr und mit schönem Fell in einigen Gegenden Sibiriens, am schönsten in Kamtschatka. Die Benutzung zu Pelzen ist besonders in Rußland gebräuchlich; die Russen behalten nicht nur ihre eigene bessere Ware, sondern kaufen auch noch die besten amerikanischen Felle, die manchmal in Leipzig schon mit 300 M. das Stück bezahlt worden sind; die gewöhnlichen Preise bewegen sich zwischen 9 bis 30 M. das Stück. Die dunkelfarbigsten werden am höchsten geschätzt. Die Farbe des Bibers ist kastanienbraun, am Rücken am tiefsten, über die Seiten bis zum Bauche zunehmend heller. Diese Färbung hat das etwa 3 cm lange Oberhaar, unter welchem sich noch ein feines, dichtes, seidenartiges, flockiges Unterhaar befindet, das aschgrau bis silberweiß gefärbt ist. Gleichfarbig rotbraune Biber kommen in Kanada nicht selten vor; selten dagegen sind hellgelbe, ganz weiße und schwarze. Die Felle junger Tiere sind überall die teuersten, da ihr Haar am feinsten und glänzendsten ist und sie sich am leichtesten färben lassen. Neuerdings hat man für die B. eine neue Art der Verwendung gefunden; es wird nämlich auf einer besondern Maschine das Oberhaar gänzlich entfernt und so gleichsam das Fell eines neuen Tieres erhalten, das ein schönes leichtes und seidenartiges Pelzwerk für Frauentracht gibt, woran morgen- wie abendländische Damen Gefallen finden. Die Felle ausgewachsener Biber sind bis zu 1 m lang. Am besten ist die Ware, wenn die Tiere im Winter gefangen wurden (Winterbiber). Gefangen werden jährlich circa 30000 Stück in Asien und Alaska und 130000 Stück in Nordamerika. - Zollfrei.

Bibergeil (Castoreum); Artikel des Droguenhandels, besteht aus den getrockneten Beuteln, welche zu je zwei, sowohl beim männlichen, als auch beim weiblichen Biber sich in der Nähe der Geschlechtsteile unter der Haut finden und im frischen Zustande eine weiche und schmierige Masse enthalten, die ausgetrocknet hart, braun und zerreiblich ist und einen durchdringenden, starken Geruch besitzt. Die Beutel sind aus vier übereinander liegenden Häuten gebildet. Das B. wird nur medizinisch verwendet, jetzt aber viel weniger als früher. Man unterscheidet zwei Sorten, das B. der alten Welt, vom europäischen Biber (Castor Biber) und das der neuen Welt vom nordamerikanischen Biber (Castor americanus); beide zeigen einen sehr bedeutenden Preisunterschied, während das letztere, gewöhnlich kanadisches B. (Castoreum canadense) genannt, je nach Qualität bei uns 40-90 Mark pro Kilo kostet, ist der Preis des europäischen 1100 M. pro Kilo. Letzteres führt allgemein den Namen sibirisches oder russisches B. (Castoreum sibiricum oder moscoviticum), da Deutschland jetzt so gut wie nichts mehr liefert, sondern hauptsächlich Rußland und Sibirien. Beide Sorten unterscheiden sich durch folgende Merkmale: Während die Beutel des sibirischen B. oval und wenig zusammengedrückt erscheinen, auch nicht runzelig und zusammengeschrumpft sind, besteht das kanadische B. aus mehr birnförmigen, flachgedrückten Beuteln mit runzeliger Haut; bei dem sibirischen lassen sich die beiden äußeren Häute bequem ablösen und in der Mitte des Inhalts ist eine Höhlung, welche bei dem kanadischen fehlt, bei dem sich auch die Häute nicht ablösen lassen. Der Inhalt der sibirischen Beutel ist braun, niemals glänzend oder harzig, sondern fast erdig, während derjenige der kanadischen Beutel rotbraun und auf dem Bruche harzartig glänzend ist; auch ist der Geruch des letzteren bedeutend schwächer. Die Menge des kanadischen B., welche durch die Hudsonbay-Gesellschaft alljährlich auf den Londoner Markt gebracht wird, beträgt immer noch 500 bis 2500 k; dasselbe wird in jährlich zwei Auktionen (August und Dezember) verkauft. - Zollfrei.

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