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Plinius Secundus : Biber in der Naturgeschichte

Gaius Plinius Secundus Maior, kurz Plinius der Ältere (lateinisch Plinius maior) genannt (* etwa 23 in Novum Comum (dem heutigen Como); † 25. August 79 in Stabiae) war ein römischer Gelehrter.

Im folgenden einige Zitate aus einem seiner Hauptwerke, der Naturgeschichte, die die umfangreichen medizinischen Anwendungen des Bibergeils bei den Römern deutlich machen.

Die Naturgeschichte des Cajus Plinius Secundus : ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen versehen von C.G. Wittgenstein (1881) Erster Band

47. Dieselben Geschlechtstheile reissen sich die pontischen Biber 5) bei dringender Gefahr selbst ab, weil sie wissen, dass man ihnen deshalb nachstellt. Die Aerzte nennen sie Castoreum 6). Uebrigens ist der Biss dieses Thieres furchtbar; die Bäume am Ufer der Flüsse durchschneidet es, als wenn diess mit einem Eisen geschieht; hat es einen Menschen gepackt, so hört es nicht eher auf zu beissen, bis die Knochen zermalmt sind. Es hat einen Fischschwanz, gleicht aber sonst der Fischotter * ). Beide leben im Wasser, und haben Haare, welche weicher als Flaum- federn sind.

5) Fibri. Castor Fiber.

6 Unter diesem Namen verstehen wir hingegen nicht die Hoden des Bibers, sondern die unter der Haut zwischen dem Alter und den Geschlechtstheilen befindlichen Beutel, die sich diese Thiere natür- lich nicht abbeissen können.

*) Lutra. Lutra vulgaris.


Die Naturgeschichte des Cajus Plinius Secundus: ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen versehen von C. G. Wittgenstein (1882) Fünfter Band

Im folgenden Text sind Auszüge enthalten, nicht relevante Textpassagen wurden ausgelassen.

32. Buch

13.

Die Macht der Natur äussert sieh auch bei solchen Thieren, welche auf dem Lande und im Wasser leben auf eine deutliche Weise, so bei dem Biber, welcher Castor und dessen Hoden Castoreum genannt werden. Der Meinung, dass der Biber sich die Hoden abbeisse, wenn man ihn fange, widerspricht Sextius, ein sehr ge- nauer Arzneikundiger; er sagt, sie wären klein, kurz, hingen am Rückgrat und könnten dem Thiere, ohne es zu tödten, nicht genommen werden, würden aber mit den ziemlich grossen Nieren desselben verfälscht, während die wahren Hoden nur sehr klein wären; auch seien es nicht die Blasen, denn ihre Zahl betrüge zwei, und zwei Blasen habe doch kein Thier. Die in diesen Beuteln sich be- findende feuchte Masse bewahre man in Salz auf. Die Prüfung auf Verfälschungen bestehe namentlich darin, dass zwei Beutel an einer Verknüpfung hängen müssten, doch führe man auch hiebet noch einen Betrug dadurch aus, dass man Gummi mit Blut oder auch Ammoniakum hineinstecke, denn die Beutel hätten inwendig ursprünglich die Farbe des Ammoniakums, wären von Häuten eingeschlossen, ihr Inhalt gliche einem wachsvollen Honige, röche sehr stark und unangenehm, schmecke bitter und scharf und Hesse sich leicht zertheilen. Die besten kommen aus Pontus und Galatien, eine geringere Sorte liefert Afrika. Wenn man daran riecht, bewirken sie Niesen. Das Castoreum macht Schlaf, wenn man es mit Rosenöl und Peucedanum auf den Kopf streicht oder für sich mit Wasser einnimmt, bekommt daher den Wahnsinnigen gut. Durch Räuchern damit er- muntert man Schlafsüchtige, durch Unterlegen vertreibt man die hysterischen Krämpfe. Zwei Drachmen mit Pu- legium in Wasser eingenommen treiben die Nachgeburt ab und befördern den Monatsfluss. Es heilt auch Schwindel, Opisthotonie, Zittern, Krämpfe, Nervenleiden, Hüftweh, Magenbeschwerden und Lähmung, wenn man sich damit einreibt, und besonders wirksam zeigt sich in dieser Be- ziehung eine honigdicke Mischung desselben mit Keusch- baumsamen und Essig oder Rosenöl. Trocken verordnet man es gegen Epilepsie, als Trank gegen Blähungen, Bauch- grimmen und Gifte, nach Art des Gifts aber in verschie- dener Weise; nämlich gegen Scorpionen mit Wein, gegen Erd- und andere Spinnen mit Meth worauf Erbrechen er- folgt, während bei Zusatz von Raute das Gift im Körper zurückbleibt, gegen die Chalciden *) mit Myrtenwein, gegen die Hornschlangen und giftigen Käfer mit Panax oder Raute in Wein, gegen die übrigen Schlangen mit Wein. Die rechte Dosis ist zwei Drachmen, von dem was noch hin- zugesetzt wird eine Drachme. Besonders hilft es mit Essig gegen das Viscum, mit Milch oder Wasser gegen das Aco- nitum, mit Wassermeth und Natrum gegen den weissen EUeborus. Bei Zahnweh giesst man es mit Oel abgerieben in dasjenige Ohr, an dessen Seite die Zähne schmerzen; bei Ohrenschmerz versetzt man es zweckmässiger mit Meconium. Mit attischem Honig aufgestrichen macht es die Augen klar. Mit Essig vertreibt es das Schlucken.

*) Eine Art Eidechsen.

Auch der Harn des Bibers ist ein Gegengift und wird da- her den Antidoten zugesetzt. Einige geben an, der Harn werde am besten in der Harnblase selbst aufbewahrt.

……

24. Die Klarheit der Augen wird sehr erhöhet durch Anwendung des an der Sonne ausgelassenen Fettes aller Fluss- und Seefische mit Zusatz von Honig, dessgleichen des Castoreums mit Honig. ……………….

25.

…. Für die Ohren ist die frische oder auch mit Wein lange gestandene Galle des Fisches Batia, und des Bac- chus, den Einige Myxon nennen, sehr heilsam; dessglei- chen die des Callionymus mit Rosenöl oder Castoreum mit Mohnsaft. ……….

…… 28. ……… Steifen Nacken erweicht man mit Seeläusen zu einer Drachme eingenommen, mit Castoreum, welchem Pfeffer, Meth und in Oel und Salz gekochte Frösche zugesetzt sind, von welcher Mischung man jedoch nur die Brühe trinkt. ………..

29. Alte, im Getränk zerriebene Barben bewirken Brechen. Engbrüstigen giebt man mit Erfolg einen aus Castoreum, ein wenig Ammoniacum und Essigmeth bereiteten Trank nüchtern. Wer diesen Trank warm nimmt, wird von Magenkrämpfen befreiet. Eine aus Fröschen, nach Art der Fische, in Pfannen bereitete Suppe soll den Husten ver- treiben; zu diesem Zweck hängt man sie auch an den Beinen auf, lässt den von ihnen fliessenden Geifer in die Pfannen fallen, nimmt sie dann aus, wirft die Eingeweide

….

31. ….. Gegen Darmgicht und Blä-hungen verordnet man Castoreum mit dem Samen des Daucus und der Petersilie und zwar soviel, als man mit drei Fingern fassen kann, in vier Bechern warmen Meths; gegen Bauchgrimmen aber Castoreum mit Dillsamen in Wein.

36. Bei Podagra und Gliederkrankheiten hilft Oel, worin Froscheingeweide gekocht sind, ferner die Asche eines Laub- frosches mit altem Fett, zuweilen noch mit Zusatz von Gerstenasche und zwar von allen drei Ingredienzien gleich- viel. Man empfiehlt auch, den leidenden Theil mit einem frischen Seehasen zu reiben, Schuhe zu tragen, welche aus dem Felle eines Bibers, besonders eines pontischen, oder eines Seekalbes gemacht sind, auch mit des letztern Fette einzureiben. ……………..

37. An Epilepsie Leidenden giebt man, wie gesagt, das Coagulum des Seekalbes mit Pferde- oder Eselsmilch, Granatapfelsaft oder Essigmeth, oder auch in Pillenform; Castoreum nüchtern mit drei Bechern Essigmeth, Denen aber, welche oft davon befallen werden, bringt man es mit bestem Erfolg als Klystier bei, und hiezu nimmt man zwei Drachmen Castoreum, einen Sextar Oel, ebensoviel Honig und Wasser. Personen, welche im epileptischen Krampf liegen, hält man mit Essig abgeriebenes Castoreum unter die Nase. Man giebt auch die Leber einer See-Mustela, Maus oder das Blut einer Schildkröte. ……

40.

Brandschäden werden durch die Asche eines See- oder Flusskrebses mit Oel geheilt; sind sie durch heisses Wasser entstanden, so wendet man Fischleim und Frosch - asche an. Krebsasche ersetzt auch die Haare wieder, wenn man ihr Wachs und Bärenfett hinzumischt. Ein anderes gutes Mittel ist die Asche von Biberfellen. ……….

41.

Selbst durchgeschnittene Nerven kittet die zerstossene harte Haut, womit sich die Purpurschnecken zudecken, wieder zusammen. An Starrkrampf Leidenden hilft Kalbs- Coagulum zu einem Obolus mit Wein genommen, wie auch Fischleim. Gegen Zittern reibt man Bibergeil mit Oel ein. Ich finde angegeben, Barben zu essen sei nicht gut für die Nerven.

………………….

46. …….. Castoreum mit Meth eingenommen ist ein gutes Reinigungsmittel; gegen Mutterbeschwerden räuchert man mit Castoreum, Essig und Pech oder legt daraus verfertigte Kügelchen unter. Zur Abtreibung der Nachgeburt giebt man Castoreum mit Panax in vier Bechern Wein und den an Frost Leidenden zu drei Obolen schwer. Wenn aber eine Schwangere über Castoreum oder einen Biber geht, soll sie abortiren, und wenn sie darüber hingetragen wird, soll wenigstens der Leibesfrucht Gefahr drohen. ……..

47. …………. Castoreum mit Honig soll, mehrere Tage hin- durch angewandt, ebenfalls die Haare entfernen. Ehe man aber irgend ein solches Mittel anwendet, muss man die vorhandenen Haare ausraufen.

 

 

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