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Konrad von Megenberg: Buch der Natur 1540

Konrad von Megenberg (* 1309 in Mäbenberg (zu Georgensgmünd) bei Nürnberg; † 14. April 1374 in Regensburg) war Autor von 22 lateinischen Schriften, die hagiographische, theologische, moralphilosophische und naturwissenschaftliche Themen behandeln.

Das "Buch der Natur" von Konrad von Megenberg: die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache
In-Neu-hochdeutscher Sprache bearbeitet und mit Anmerkungen versehen von Dr. Hugo Schulz, Professor an der Universität Greifswald; Verlag Julius Abel 1897

10. Vom Biber.

Das lateinische Wort Castor heisst auf deutsch: ein Biber, ^)
und Aristoteles sagt, dass die Testikel des Bibers Castoreum, auf
deutsch Bibergeil, genannt werden. Plinius giebt an, dass der
Biber sich seiner Galle durch Erbrechen entledige. Das Bibergeil
ist für viele Arzneien gut und der Biber glaubt, man jage ihn
lediglich deswegen. Das im Darme des Bibers vorkommende
Coagulum ist gut gegen die fallende Sucht. Der Biber kann nicht
lange aushalten, wenn sich sein Schwanz, der einem Fischschwanze
gleicht, nicht im Wasser befindet. Das Bibergeil macht heiss und
trocken und hat die Kraft, die Geister und Feuchtigkeiten auszu-
treiben, welche den Krampf hervorrufen. Auch denjenigen, denen
in Folge von Nervenschwäche die Hände zittern, ist es von Nutzen.
Den kranken Gliedern der Gelähmten ist es heilsam, wenn man
Bibergeil mit Wein kocht und der Kranke sich damit salbt und
bestreicht, das Bibergeil bei sich behält und häufig daran riecht.
Der Biber hat die Gewohnheit, dass er sich die Testikel selbst aus-
beisst und sie liegen lässt, wenn der Jäger ihn jagt, denn er meint,
man jage ihn nur der Testikel wegen.

Digitale Ausgabe bei Archive.org

Originaltext

Strophe: 10 10.

VON DEM PIBER.

Castor ze latein haizt ze däutsch ain piber und spricht
Aristotiles, daz des pibers mannesgezeuglein haiz casto\rium,
daz haizt ze däutsch pibergail. Plinius spricht, daz 5
der piber sein gall mit wüllen auz werf. daz pibergail
ist ze vil erznei guot, und wænt der piber, man jag in
allain durch der gailn willen. des pibers renne ist für
die vallenden suht guot. daz tier mag niht lang belei\ben,
ez hab denne den zagel oder den sterz in dem wazzer, 10
wan der geleicht ains visches zagel. daz pibergail macht
haiz und trucken und hât die kraft, daz ez die gaist und
die fäuhtin vertreibet, die den krampf machent. ez ist
auch nütz den die hend pidment von der krankhait der
âdern. sô man wein wellt mit dem pipergail und sich der 15
siech dâ mit salbt und bestreicht und daz pibergail pei im
helt und dar zuo oft smeckt, daz ist den siechen glidern
von dem paralis guot. daz tier hât die art, wenne ez der
jäger jagt, sô peizt ez im selber sein gailn auz und læzt
die ligen, wan ez wænt, daz man ez niht jage danne 20
durch der gailn willen.

Digitaler Originaltext bei der Uni Frankfurt