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  • Middleton: Beaver Hunting in Canada 1777

  • Conrad Gesner Historiæ Animalium 1558

  • Kanadisches Mobilisierungsplakat 2.Weltkrieg

  • Briefmarke Polen Biber 1,25 Zloty

  • Wappen Eno (Finnland)

Johann Goeze: Europäische Naturgeschichte 1792

Johann August Ephraim Goeze, Johann August Donndorff, Europäische Fauna oder Naturgeschichte der europäischen Thiere in angenehmen Geschichten und Erzählungen für allerley Leser, vorzüglich für die Jugend, Weidmannischen Buchhandlung 1792

Der vierten Ordnung: Nagthiere: Zweyte Gattung: Biber.

Kennzeichen der ganzen Gattung.

Eine eigene, merkwürdige Gattung unter den Nagthieren, die den Namen Biber führt, und sich durch standhafte Kennzeichen unterscheidet.

Zween Vorderzähne, oben und unten, keilförmig zugeschärft, hinter der Schärfe etwas ausgehölt.

Auf jeder Seite vier Backenzähne.

Die untern Schneidezähne liegen mit der Spitze quer, so daß die obern sich zwischen die untern, etwas längern, hineinschieben. Es ist erstaunlich, was die Thiere mit diesen Zähnen ausrichten können!

An den Füßen fünf Zehen.

Die Hinterfüße Schwlmmfüße .

Der Schwanz schuppicht, und gleichsam plattgedrückt, wie eine Kelle.

In Deutschland giebt es nur eine Art, die noch selten an der Elbe, Oder, um die Donau, an einigen Flüssen der Mark Brandenburg und im Lüneburgischen angetroffen wird *).

*) Vor einigen Jahren haben noch ein Paar auf der Kreuzhorst des Klosters lieben Frauen zu Magdeburg, an der Elbe ihre Wohnung gehabt.


Erste Art: Der gemeine Biber *).

Beschreibung.

Machen sie sich gefaßt, von diesem Thiere wahre Wunderdinge zu hören, die man kaum glauben könnte, wenn sie nicht durch viele tausend Augenzeugen bestätiget waren. Ich selbst habe zwar nie einen lebendigen gesehen, und muß mich hier auf andere verlassen; sorgen sie aber nicht: sie sollen keine Fabeln, sondern lauter Wahrheiten erfahren. Kommen sie einmal in das Musaum zu Braunschweig; so werden sie darin einen ausgestopften sinden.

Der Kopf des Bibers ist kurz und dick, die Schnautze ebenfalls kurz und stumpf. Die untersten, völlig orangegelben Vorder - oder Hauzahne sind über einen Zoll lang, und gekrümmt. Diese kann ich ihnen in meinem Kabinette zeigen.

Die Augen für das ziemlich große Thier sehr klein. Die Ohren kurz, zugerundet und in den Haaren versteckt. Einer der merkwürdigsten Theile ist der Schwanz. Dieser allein ist einen guten Fuß lang, und auf fünf Zoll breit. Zunächst vom Leibe an ist er den dritten Theil behaart, weiter hin länglicht oval, glatt, in der Mitte der Länge nach erhaben, und schuppicht, mit einzelnen, dazwischen stehenden, steifen Haaren. Er trägt ihn immer hinter sich wagerecht, oder in einer geraden Linie mit dem Leibe ausgestreckt.

Die Füße sind kurz, und stehen etwas einwärts. Die Hinterfüße haben fünf, weit längere Zehen als die vordem; sie sind mit einer Schwimmhaut verwachsen,

*) G. Gmelin Syst.Nat.Linn.ed.13.I. 124 Sp.I Castor fiber.

und die vierte hat dem Anscheine nach zween Nägel.

Nahe am After und der Harnröhre sammlet sich in einem eignen Beutelchen aus besondern Drüsen, ein gelblichtes, zähes und schmieriges Wesen, von einem unangenehmen starken Geruch, und ekelhaft bittern Geschmack, das unter dem Namen des Bibergeils bekannt genug ist. Meiner Vermuthung nach ist die Hauptabsicht desselben, die Haare gegen das Wasser anzufetten.

Das Biberhaar am Leibe ist das längste und stärkste, tief kastanienbraun, und glänzend; das kürzere und weichere aber gelbbraun. Doch wechselt die Farbe nach dem Klima, welches das Thier bewohnt. Denn je weiter nordwärts, desto dunkler, oft ganz schwarz. Ja! es soll ganz weiße geben, auch weiße .mit grünen Flecken, und weiße mit untermengten rothen Haaren.

Ein ausgewachsener Biber ist gute drittehalb Fuß lang, den Schwanz nicht mitgerechnet, und die Dicke möchte wohl einen Fuß betragen. Man hat sie von 50 bis 60 Pfund am Gewicht.

Dieß nur die Beschreibung überhaupt. Wir müssen aber einige einzelne Theile dieses so merkwürdigen Thieres genauer betrachten, und wollen uns daher bey dem griechischen Namen castor, und bey dem lateinischen fiber der vermuthlich in Biber verwandelt ist, nicht aufhalten.

Das merkwürdigste an diesem Thiere sind die Schneidezähne, die Vorderfüße und der Schwanz,

Mit den ersten können sie die größten Bäume in kurzer Zeit niederschroten. Sie bestehen aus dem reinsten
Elfenbein, und sind so fest glasurt, daß sie keine Feile angreift.

An den Vorderfüßen haben sie lange scharfe Nägel, recht zum Scharren und Graben gemacht; aber unter allen ist doch der Schwanz fast der merkwürdigste Theil, und scheint nicht sowohl ein Schwanz, als ein besonderer Anhang des Körpers, von wirklicher Fischsubstanz zu seyn. Am Körper eines vierfüssigen Säugthieres ein Fischtheil, wie auffallend merkwürdig!

Denn dieser Schwanz ist ganz mit ordentlichen Schuppen, und einer solchen Haul bedeckt, wie man bey großen Fischen findet. Die Schuppen lassen sich mit einem Messer wegnehmen, und wenn sie abgefallen sind, sieht man, wie bey allen Fischen, noch auf der Haut davon die Spuren. Die Schuppen selbst sind wie ein Pergament, einen Achtel Zoll dick, und sechseckicht, von bläulicht- blassbrauner Farbe.

Ich habe keine Gelegenheit gehabt, einen Biber zu zergliedern*); daher hab' ich auch von ihnen keine Embryonen, noch weniger Würmer, erhalten können. Höchst begierig aber wäre ich, zu erfahren, was für Familien von Eingeweidewürmern diesen sonderbaren Thieren eigen wären? Eine einzige Nachricht davon habe ich in Perraults :c. Abhandl. I. 169. gefunden: „in den Gedärmen fanden wir acht lange runde Würmer

*) Indeß finden sie solche in den Breßl. Samml. Suppl. 1. 96. und in Perrault, Charras und Dodart Abhandl. aus der R. G. I. Tab. XX. sehr gut beschrieben. Abhandl. der Akad. zu Petersburg II. 415. Gottwalds physikalisch - anatomische Bemerkungen über den Biber: Nürnberg 1787. 7 Kupfer.

wie Regemvürmer, wovön drey 7Z oll, die übrigen ungefähr vier Zoll waren." Sicher Rundwürmer oder Ascarides.

Wir kommen zur Erzählung seiner Lebensart, und wollen zuerst seinen Aufenthalt
kennen lernen .

Man trifft ihn noch immer in allen gemäßigten Ländern von Europa, vornämlich in Nordamerika an. In diesem letzten Welttheile, besonders in Canada ist er in ungeheurer Menge; bey zunehmender Bevölkerung aber hat er sich mehr in die innern, wüsten Gegenden zurückgezogen. In allen bewohnten Gegenden findet er sich einzeln, zerstreuet und in Erdhölen; in wüsten, einsamen, dichtbewaldeten und wasserreichen Gegenden wohnt er in Gesellschaft, in großen Republiken von mehr als 200, und hier ist es eigentlich, wo man seinen Instinkt zur Arbeit, und seine Kunsttriebe zum Bauen bewundern muß.

Merken sie sich. also diesen Umstand, wornach wir die Biber in zwo Hauptfamilien theilen können: in einsame Gruben-und in gesellschaftliche Republikenbiber. Die ersten sind alle europäische Biber. Sie haben daher alle einen schmutzigen, und in der Erde abgeriebenen Balg, und wohnen an den Ufern der Seen, Flüsse und andrer Gewässer, Hier machen sie sich Gruben in die Erde, wie die Fischottern, zuweilen auch einen, etliche Fuß tiefen Graben, um einen kleinen See zu formiren, der bis in die Oefnung ihrer Höhle geht, die sich in der Länge bisweilen über hundert Fuß erstreckt, und allmälig immer weiter in die

die Höhe geht, um sich gegen Überschwemmungen zu sichern.

Ehe wir zu der eigentlichen Lebensart des Bibers übergehen, wollen wir
sein Naturell kennenlernen.

Dieß ist von guter, sanftmüthiger Art, und hat nichts von der natürlichen wilden Grausamkeit der Raubthiere. Daher kann auch ein jung gefangener Biber leicht zahm gemacht werden, ob es gleich ein Alter nie wird, und den Menschen sehr fürchtet.

In der Zahmheit verliert er fast alle Leidenschaften, und äußert beynahe gar nichts von den ungemeinen und scharfen Fähigkeiten, die ihm die Natur beygelegt hat. Er legt seine Wildheit so weit ab, daß man ihn kann im Hofe herum gehen lassen, wo er seinem Wärter nachläuft, und auch nicht einmal das, ihm in der Freyheit so unentbehrliche Wasser verlangt. Ein alter hingegen soll sich, wenn er nicht mehr ausweichen kann, in die Höhe richten, sich mit zusammengelegten Vorderfüßen auf die Hinterfüße stellen, sich zur Wehre setzen, und endlich Thränen fallen lassen.

Der Graf von Buffon bekam 1758 einen jungen Biber aus Canada: ein sanftmüthiges, ruhiges, etwas trauriges, schwermüthig scheinendes, auch zuweilen winselndes Thier; aber ohne heftige Leidenschaften. Seine größte Sehnsucht war Freyheit. Von Zeit zu Zeit benagte es die Thüren seines Gefängnisses; aber ganz gelassen, ohne große Heftigkeit, und ohne jemanden zu schaden, oder sich zu widersetzen, wenn es davon abgehalten wurde.

Besonders ist es doch, daß ein Thier, welches von Jugend auf seinem Element entwöhnt wird, solches dich wiederfühlt und lieb gewinnt, so bald es dazu Gelegenheit hat. So wenig läßt sich die Natur ausrotten. Der junge Biber aus Canada war beständig im Hause erzogen worden, kannte kein Wasser und weigerte sich, hinein zu gehen, als ob ers wirklich fürchtete.

Da man ihn aber einmal untergetaucht, und mit. Gewalt im Wasser gehalten hatte, gefiel es ihm nach einigen Minuten sehr wohl darin. Die Natur regte sich, und er bezeigte keine tust, wieder heraus zu gehen. Von nun an gieng er von selbst hinein. Er wälzte sich oft im Schlamme, und auf nassem Fußboden. Eines Tages entrann er, und stieg durch eine Kellertreppe in die Gewölbe der Steinbrüche unter dem Erdboden des königlichen Gartens. Er verlief sich weiter und schwamm in allen Pfützen herum. So bald er aber den Schein von Fackeln sahe, mit welchen er aufgesucht wurde, kam er denen, die ihn riefen, entgegen, und ließ sich von ihnen greifen.

Bey Tische forderte er in einem winselnden Tone, und mit einigen Bewegungen der Vorderfüße etwas zu fressen. Bekam er etwas, so lief er in einen Winkel, solches in Ruhe zu verzehren. Er schlief oft auf dem Bauche ruhend, und fraß alles; aber kein Fleisch, weder rohes, noch gekochtes. Er nagte alles an, was ihm vorkam: Zeuge, Hausgeräthe, Holz u. s. w. Man mußte daher die Tonne, worein er gebracht wurde, mit Blech ausschlagen.

In Westbothnien hatte man einen alten Biber gefangen und mit Ketten gebunden, weil er nicht zu zähmen war, Er biß dicke Prügel durch, und Schweinen,


die ihm zu nahekamen, die Beine gerade weg.

Was nun aber auch bey zahmen den Umgang mit Menschen betrifft; so scheinen sie dem Hunde weit nachzustehen. Indeß hat ein Natursorscher einen Biber viele Jahre unterhalten, der ihm allenthalben folgte, und ihn, wie ein Hund seinem Herrn, aufsuchte.

Bey einem sibirischen Befehlshaber sahe Gmelin einen jungen ganz zahmen Biber, der in der Stube herum lief, und mit sich nach Belieben umgehen ließ. Zuweilen lief er 25-30 Werste weit, und entführte andern Bibern ihre Weiber, die er mit nach Hause brachte, sich mit ihnen vergnügte, und sie dann wieder in Friede gehen ließ. S. Reise durch Sibirien. I.101.

In der Freyheit geht der Biber auf dem Lande langsam und lahm, schwimmt aber sehr hurtig und taucht schnell , aber nicht lange unter. Wenn er in den Vorderarmen etwas trägt, so geht er auf den Hinterfüßen. Seine Sinne sind ganz vortreflich, und sein Geruch ist außerordentlich scharf. Unreinlichkeit ist ihm ganz zuwider. Er schläft fest; aber allezeit auf dem Bauche, oder auf dem Rücken. Mit seiner Klugheit und Geschicklichkeit im Bauen, und mit seiner Vorsicht, Schildwachen aufzustellen, ist kein anderes Thier zu vergleichen.

Nun, liebe junge Leser! wollen wir den unglaublichen, und doch wahren Roman seiner Lebensgeschichte beginnen. Merken sie aber

1. zuerst , daß der Biber unter allen Thieren der Erde das einzige sey, das an den Vordertheylen des Körpers

den Landthieren, an den Hintertheilen aber den Wasserthieren gleicht, und erinnern sie sich hierbey seiner Schwimmfüße und seines Schwanzes, Macht es also nicht gewissermaßen den Uebergang von der Klasse der vierfüßigen Säugthiere zu den Fischen, wie die Fledermaus zu den Vögeln?

2. Ist ihnen dies aber schon merkwürdig, was wird ihnen die Republik, und der Bau dieser Thiere erst seyn? lassen sie uns einmal nach Nordamerika übergehen, und an dem großen Lorenz, Mississpi oder Delaware - Strome, dagegen unsre Elbe und Oder Bäche sind, — einen Biberbau betrachten, wo einige hundert dieser Thiere fast ebenso gesellschaftlich leben, wie die Wilden in ihren Horden, und sich fast auf gleiche Art, durch kluge Vereinigung ihrer Kräfte, ihre Bedürfnisse zu verschaffen wissen.
Fast kann ich sie aus dem ganzen Thierreiche mit kener angenehmern Geschichte unterhalten, als mit der Art und Weise, wie diese Thiere in den großen amerikanischen Strömen, und hundertmeiligen Seen ihren Bau anzulegen pflegen, und dazu alle Glieder ihres Körpers so vortheilhaft zu gebrauchen wissen. Denn sie handeln bey der Anlage eines solchen Baues, blos nach ihren Natur - und Kuusttrieben, mit solcher anscheinenden Ueberlegung, Vorsicht und Geschicklichkeit, wie die erfahrensten Ingenieurs, Bauverständige, Maurer und Zimmerleute kaum handeln können. Bey ihrem Bau muß uns zweyerley in die größte Verwunderung setzen: was sie mit ihren Zähnen und Schwänze nicht nur wirklich thun und zu Stande bringen, sondern was sie


bey den Bäumen, die sie ohne Axt fällen;
bey den Pfählen, die sie ohne Beil zuspitzen, und
ohne Maschinen einrammen;
bey den Dämmen, die sie den reissendsten Strömen vorziehen,
für unsägliche, und Menschen kaum bezwingbare Hindernisse zu überwinden haben, und glücklich überwinden.

Lassen sie uns nun, gleichsam im Geiste, .
einen solchen Biberbau
anlegen sehen. Er verdient, da lhn bloße Thlere machen, weit mehr Bewunderung, als die prächtigen königlichen Schlosser in Potsdam, Versailles und Peking.

Im Junius und Julius vereinigen sich einige Truppe von hundert und zweyhundert Bibern an dem Ufer eines Flusses oder Sees. Wir wollen uns vorstellen, wir ständen mit ihnen an dem großen See Ontario. Hier soll nun der Bau zur ganzen Republik angelegt.werden, und zwar von lauter jungen Kolonisten, die in den väterlichen Wohnungen keinen Raum mehr haben, sich selbst eine Kolonie anlegen müssen, aber nie gesehen haben, wie es ihre Väter anlegten, einen solchen Bau zu Stande zu brjngen.

Daß sie nun durch die Menge das ersetzen müssen, was wenigere Menschen vermittelst ihrer Maschinen und Instrumente auszurichten vermögend sind , sagt ihnen ihr Gefühl. Die Konferenz geschiehet allezeit am Ufer eines großen Flusses oder Sees, und zwar in. den obigen Monaten, da die Gewässer flachesten sind,

welches ihre Arbeit sehr, erleichtert. Im Frühjahre, bey den hochangeschwollenen Strömen, würden sie weit größere Schwierigkeiten zu überwinden haben. Wer mag ihnen das sagen?

Ihre erste Sorge ist, sich von dem Wasser Melster zumachen, über welches sie bauen wollen. Das heißt: sie müssen sich im Bauen darnach richten, ob das Wasser steige, falle, oder ruhig stehen bleibe. Bey flachstehenden Wassern, die sich wie ein See, in einerley Höhe zu halten pflegen , sagt ihnen ihr Gefühl, daß sie sich die Mühe der Erbauung eines Damms ersparen können. Daß sie dieses Gefühl: es ist hier unnöthig einen Damm zu baugen, — haben, beweiset die Erfahrung, weil sie keinen anlegen und doch bauen. An strömenden Flüssen, die bald steigen, bald fallen, verfährt die menschliche Vorsicht so; daß sie der Gewalt des Wassers , durch Schleußen und Dämme vorzubeugen sucht. Und eben diese Vorsicht gebrauchen unsere Biber, sich in einem reissenden Strom, z. B. im St, Lorenzo, einen Damm aufzuwerfen, um durch diese Sperrung des Wassers, eine Art von Teich, oder stehendem Wasser zu veranlassen, welches immer einerley Höhe behält, und wo sie ruhig bauen können.

Unbegreiflich, woher sie diese Umstände so genau vorher wissen, und auch darnach handeln! Bedenken sie nur: eine Kolonie junger Biber, die noch keinen Bau haben anlegen gesehen! Alle Pläne dazu müssen doch gleichsam in ihrer Natur liegen, und durch ihre Kunsttriebe entwickelt werden.

Insgemein legen sie da den Damm an, wo schon Bäume genug am Ufer stehen, die ihnen zu ihrem Vorhaben unentbehrlich sind. Ein solcher Damm ist ein bewundernswürdiges, und alle Menschenkunst übersteigendes Werk.

Er wird, gleich einer Schleuße, quer durch den größten Strom, von einem Ufer zu dem andern gezogen. Oft betragt er 80 bis 100 Fuß in der Länge, und im Grunde wohl 10 bis 12 Fuß in der Dicke. Und dieß ein Werk von Thieren! Wie lange sollten Menschen darauf zubringen? Aber über die Einrichtung und Festigkeit eines solchen Damms muß man oft mehr, als über die Größe desselben erstaunen.

Wenn Menschen ein solches Werk anlegen sollen, was für Anstalten werden vorgekehrt; wie vielerley Baumaterialien werden angefahren? Was für eine Menge Arbeiter und Instrumente, Maschinen und Pumpen, in Bewegung gesetzt? Was für unermeßliche Kosten gehören dazu, ehe es nur angefangen wird? Den Biber kostet es nichts, als eine Gesellschaft von einigen hunderten, — seine Zähne und Schwanz.

Das erste, was sie bey Anlegung des Dammes thun, ist dieses: daß sie die am Ufer stehenden Baume fällen. Hier verwalten sie das Amt der Holzhauer, und das auf eine so geschickte Art, daß man es nicht genug bewundern kann.

Erstlich wählen sie zum Damm und Bau die stärksten Bäume der härtesten Arten des Bauholzes, als Eichen , Buchen, Eschen u. s. w. Die weichen Holzarten gebrauchen sie zur Nahrung.

Wie gehen sie dabey zu Werke, einen Baum zu fällen? Oft hält ein solcher Baum zween bis drey Fuß im

Durchmesser. Wie mancher Hieb muß von Menschen geschehen, ehe. er fällt? Die Biber aber wissen bald damit fertig zu werden, und dazu gebrauchen sie nichts, als ihre scharfen Zähne. Sie gleichen einigermaßen den Hauzähnen eines wilden Ebers; nur sind sie vorn nicht so spitz; sondern dreyeckig abgestutzt, und also recht zum Nagen, Schroten und Sägen des Holzes eingerichtet *).

Der Anfang wird so gemacht, daß sie erst mit ihren Zähnen unten den Stamm auf der Seite, wo er hinfallen soll, tief einkerben, oder eigentlich große Spähne abbeißen, die sie mit den Füßen wegräumen. Hernach benagen sie ihn auf der andern Seite, und endlich rings herum, bis er da, wo er am tiefsten eingeschnitten ist, das Uebergewicht bekommt und stürzt.''

Dabey verfahren sie sehr geschwind, und laufen schneidend immer um den Baum herum, wie die Böttcher um ein Faß; doch gehen sie dabey zuletzt sehr vorsichtig zu Werke, daß keiner von dem fallenden Baume getroffen werde. Viele Biber können mit dem dicksten Bäume in wenig Minuten fertig werden. Einen weichen Baum von einer, Viertelelle im Durchmesser, kann ein einziger in einer Stunde fallen; mit härtern und dickern Stammen aber soll er, wie man sagt, einige Monate zubringen.

*) In Schweden hat man bemerkt, daß da, wo sich der Biber aufhält, und das Holz abhauet, nie neues Holz wieder wächst, welches veranlaßt hat, die Aexte, die man zum Ausroden des Gehölzes brauchen will, mit Biberzähnen zu wetzen. Ob dieses gegründet ist, lasse ich dahin gestellt seyn.

Werden die Biber bey ihrer Arbeit verjagt, so sieht man, wie sie es eigentlich angestellt haben: nämlich so, daß der zweete dem ersten in dem gemachten Einschnitte folgt; der dritte dem zweeten; der vierte dem dritten usw., wodurch der Baum in kurzer Zeit gleichsam durchgesäget wird. Er wird aber allezeit einen oder anderthalb Fuß über dem Erdboden abgeschnitten, um in der Zeit, da sie etwas ausruhen, bis er fällt, die Rinde zu verspeisen. Sie sollen auch das erste Einschneiden sitzend verrichten weil sie dabey die bequemste Stellung haben.
Sobald der Baum liegt, sind sie alle damit beschäftiget, die Aeste so glatt abzubeißen, als wenn sie mit dem Beil abgehauen wären. Binnen einer halben Stunde ist er kahl, und der bloße Stamm da.Mehrentheils fällen sie die Bäume, die sie zur Grundlage des Dammes gebrauchen wollen, so, das sie gleich ins Wasser fallen.
Während der Zeit nun, daß ein Haufen Biber beschäftigt ist, Bäume zu fällen, und die Aeste abzuschroten, durchstreichen andre die Gegenden am Flusse, und fällen dünnere Bäume. Wozu? werde sie fragen. Eben dazu, wozu der Baumeister eines Dammes dergleichen fällen läßt, um Pfähle daraus zu machen. Sogar das wissen die Biber, daß ihnen Pfähle nöthig sind. Sie wissen auch nicht nur die schicklichsten Bäume auszusuchen; sondern sie schneiden sie gleich in einer gewissen Höhe ab, und schleppen sie ins Wasser, damit sie von selbst dahin fließen, wo der Damm gebauet werden soll.
Dieß alles ist schon halber Menschenverstand; das folgende aber ist es noch mehr, Sie beißen unten die Pfähle

spitz zu, und stoßen sie in den Sand, oder in die Erde, und zwar dicht neben einander.Denken sie sich die Arbeit, die es einen Menschen kostetwenn 12 bis 15 Leute die Ramme (den großen Bär) ziehen, um nur einen einzigen Pfahl ins Wasser einzurammen.
Unsere Biber wissen in Gesellschaft damit bald fertig zu werden. Einige spitzen die Pfähle zu; andere tauchen bis auf den Grund, und graben mit der Vorderpfoten Löcher, die Pfähle einzusetzen; andere stoßen sie ein, und beschütten sie mit Sande, den sie fest drücken; noch andere durchflechten die Lücken mit Zweigen, und so fahren sie fort, bis der Damm öfters 4 bis 5 Ellen dicke wird.
Was würde dies alles aber gegen das Wasser helfen! Wie bald würde es durchdringen! Die Biber haben als Zimmerleute das ihrige gethan; nun werden sie Maurer, schaffen Erde, Thon und andere Materialien herbey, kneten alles mit den Füßen zu einem Teige, werfen ihn an, und klopfen und schlagen ihn mit dem schuppichten Schwanz fest, wie die Maurer den Kalk mit der Kelle. Kurz, sie vermauern die Zwischenräume des Pfahlwerks aufs sorgfältigste mit ihrem Mörtel, den sie mit dem Maule zutragen und mit dem Schwanze anklopfen.
Dieses Pfahlwerk aber besteht aus mehr, als einer Reihe von Pfählen - alle von gleicher Höhe, und erstreckt sich von einem Ufer des Flusses bis zum andern. Wie wir gesehen haben ist es nun alles ausgefüttert und ausgemauert.
Das allerbewundernswürdigste aber dabey ist dieses: daß der Damm der Absicht, wonach er angelegt

ist, vollkommen entspricht. Denn gegen den Strom sind die Pfähle alle senkrecht eingesetzt; auf der Seite hingegen, wo der Damm gegen das Andrängen des Wassers gestützt werden muß, ist das ganze Gebäude so abhängend, daß der Damm, wenn er unten am Fuße 10 bis 12 Fuß dick ist, oben kaum 2 bis 3 Fuß hat. Er besitzt also nicht nur die gehörige Größe und Festigkeit; sondern auch die schicklichste Figur, das Wasser zu halten, das Durchdringen desselben zu hindern, und der Gewalt des Stroms zu widerstehen.

An einem so ungeheuren Werke arbeiten sie alle mit unglaublicher Geschwindigkeit, ohne sich einander zu hindern. Ists möglich, diesen Thieren alle Grade des Verstandes ganz abzusprechen? Man nehme dagegen einmal eine Heerde Schafe oder Schweine, wenn sie über eine schmale Brücke getrieben werden. Wie dumm stellen sie sich dazu an? Wie drängen sie sich? Wie wenig können sie sich helfen, wenn sie in Unordnung gerathen?

Hier aber ist bey der Menge von einigen Hunderten weise Ordnung. Jeder Biber hat sein angewiesenes Werk, wobey ihm kein anderer im Wege ist. Einige, wie ich schon gesagt habe, beißen die Pfahle spitz zu; andere tragen sie an ihren Ort; diese stampfen sie ein; jene schmieren sie an, und beklopfen sie mit dem Schwanze. Reisende, die noch nie einen Biberbau gesehen haben, versichern, daß sie sich kaum haben vorstellen können, daß ein solches Werk von Thieren errichtet sey. Nun werden sie aber auch gern glauben , daß es ihnen noch leichter sey , einen solchenDamm,

wenn er Lücken bekömmt, auch wieder auszubessern. —,

Doch hier müssen wir uns wirklich erst etwas erholen! --

Der Damm war fertig; wir kommen nun zur Beschreibung . .

des eigentlichen Biberbaues,

der aus vielen einzelnen Hütten und Wohnungen bestehet, und hierbey werden sie abermal ihre ganze Aufmerksamkeit nöthig haben.

Nach der so ordentlich eingerichteten Anlage ihrer Kolonie scheinen sie wirklich einen obersten Baudirektor zu haben, nach dem sie sich alle richten, und jede Parthey ihr angewiesenes Werk ausführt, worinn sie den Bienen ähnlich sind. Die Mauern einer Biberhütte sind beynahe zween Schuh dick, und stehen alle senkrecht auf dem Pfahlwerke, welches zugleich den Fußboden abgiebt. Sie sind von verschiedener Größe: kleinere, worinn nur ein oder zwey Paar wohnen, und größere, worinn fünf bis sechs Paar Raum haben. Der Umfang ist oval oder rund, und beträgt öfters 30 Fuß; die Höhe aber auf acht Fuß. Oben sind sie mit einem runden Dache überwölbt, und haben daher alle die Gestalt, wie ein Hutkopf, oder wie die Krallen der Hottentotten. . Die mehresten haben drey Stockwerke: eines unter dem Wasser; das zweyte mit dem Waffer gleich; das dritte über der Wasserfläche. Alles künstlich beworfen, gegen den Regen undurchdringlich, und von lauter Materialien zusammengesetzt, die im Wasser halten. Alle diese

ungeheuern Arbeiten verrichten die Biber des Nachts.
Gar gern mögen sie die ganze Kolonie so anlegen, daß sie auf der einen Seite mit benachbarten Wäldern, auf der andern aber mit dem Wasser Gemeinschaft haben. Man hat wohl eher in den großen amerikanischen Strömen vor der Bevölkerung, ganze Biberdorfschaften gesehen, die aus 20 bis 30 Biberhütten bestanden haben.
Hier wohnen sie paarweise, gleichviel Männchen und Weibchen, in ungestörtem Frieden, der stets unter ihnen herrscht, beysammen. Nur fremde Kolonien dürfen sich in einer einmal eingerichteten Republik nicht niederlassen. Sie vertheidigen sich gegen alle Gefahren gemeinschaftlich, und warnen sich unter einander durch einen Schwanzschlag aufs Wasser, dessen Schall weit durch die ganze Kolonie ertönt. Sogleich stürzt sich alles ins Wasser. Denn, wenn sie in ihrem Wohnungen ruhig leben; so sitzen sie allezeit mit dem Schwanze und halben Hinterleibe im Wasser.
Was die innere Einrichtung betrifft; so ist eine solche Hütte nicht allein sicher, sondern vorzüglich bequem und reinlich angelegt. Der Fußboden ist mit grünen Rasen belegt. Besonders nehmen sie auch dazu gern Aeste von Buchsbaum und grünen Tannen *), auf welche sie nie ihren Unrath fallen lassen.
Gegen die Wasserseite ist eine Art von Luftloch wie ein Fenster, angebracht, welches ihnen zum Balcon dient, wo sie sich den größten Theils des Tages baden können, welches ihr liebstes Geschäft ist. Diese Oefnung ist mit vieler Vorsicht und hoch genug angelegt,

*) wie auch Blasenegge, Carex vesicatria Lium

damit solche nicht etwa von dem, hier zu Lande öfters drey Fuß dicken Eise, verschlossen werde.
Neben dem Wohnzimmer ist das Magazin eben so dauerhaft eingerichtet. Denn sie tragen sich Vorrath auf den Winter ein, und lassen sich in dieser Jahreszeit wenig sehen.
Die Nahrung
des Bibers bestehet in der Baumrinde von Pappeln, Espen, Birken und allerley Weiden. In Amerika sind der Biberbaum, (Magnolia glauca L.) die dortige Esche, (Fraxinus americana L.) der Storaxbaum, Liquidambar styracifluum L.) der Saffafraß, und alle süße Gummiarten seine liebsten Speisen.
Im Sommer genießt er auch Feldobst, und allerley Wurzelwerk von Calmus; Seerosen, Schilf, u.s.w. Zu Anfang des Winters sammelt er frische Zweige, besonders Weidenruthen, und steckt sie um seine Hütte herum unter dem Wasser in die Erde.
Es ist mir aber nicht wahrscheinlich, daß er Fische Krabben und Krebse fressen sollte. Es ist seiner Natur, als einem Nagethiere, zuwider. Zahm läßt sich ein Thier an alles gewöhnen; anders aber ist es in der Freyheit*)

Die Fortpflanzung

und Paarung geschiehet im Winter. Das Weibchen gehr vier Monat, und wirft im März zwey bis drey blinde Junge, die es vier oder sechs Wochen säugt.

Schon nach der vierten Woche bringt ihnen die Mutter Zweige zum Nagen, und nach der sechsten führt sie dieselben aus. In dieser ganzen Zeit entfernen sich die Mannchen, und gehen wieder ins Freye; doch besuchen sie zuweilen ihre Familie. Im dritten Jahre sind die Jungen völlig ausgewachsen, und im Stande, sich fortzupflanzen.

Zu den ganz besondern Eigenheiten

dieses Thieres gehört, ausser dem Fischschwanze und seiner überaus künstlichen Geschicklichkeit im Bauen, das sogenannte weltberühmte Bibergeil, was die Natur beyden Geschlechtern gegeben hat, dessen Absicht wir wirklich noch nicht kennen, und daher öfters, als ein ganz zweckwidriges Mittel bey verschiedenen Krankheiten gebraucht haben, wie ich unten zeigen werde.

Denn es ist doch immer merkwürdig, daß die Behältnisse des Bibergeils bey dem Weibchen so klein sind, daß sie nicht viel über zwey Loth wiegen; bey dem Männchen aber öfters über ein Pfund halten.

Ausser diesen Beuteln finden sich gleich darunter noch zwo andere Blasen, welche man die untersten nennt. Sie enthalten ein ölichten und fettigen Saft, der dem Honig gleicht, und von blaßgelber Farbe ist. Beyderley Behältnisse haben zu abentheuerlichen Irrthümern in der Physik und Arzneykunst Anlaß gegeben.

Die Feinde .des Bibers sind

1. Die Hunde, die aber stark, und wohiabgerichtet seyn müssen. Denn der Biber wehrt sich sehr, und beißt erschrecklich um sich. Wehe der Hundepfote, die

ihm zwischen die Zähne geräth! Haut, Fleisch, Knochen: alles wird zermalmt.

2. Mit den Fischottern leben sie in beständigem Kriege. Sie müssen aber weichen, well ein Biber ihrer drey auf sich nimmt. In Schweden soll ihm der Vielfraß, oder Järf sehr nachstellen; in Amerika aber der Wolfsbär oder die Wolverenne (Vrfus luscus, Saribur), die daher im Lande Biberfresservheißen.

3. Andere Thiere, als Bären, Wölfe und Füchse, können ihnen nicht beykommen. Sie habes es bloß ,

4. mit den Menschen zu thun, von denen sie auf mancherley Art gefangen werden. Eigentlich ist die Biberjagd eine hohe Jagd, und gehört zu den Regalien der Fürsten.

Man fangt sie aber in Tellereisen, welche, wie die Fuchseisen, zween gute Schlagfedern haben.

Ferner mit starken Netzen, durch eine Falle mit zween Blöcken, da der eine gespannt wird, und zuschlägt, wenn der Biber auftritt; wie auch mit einem Stangeneisen, wie die Fischottern: in einer Reuse von Fichtenästen mit einem Busch grüner Espenknospen, da der Biber mit dem Kopfe einkriecht, und nicht wieder zurück kann. Kommen aber andere dazu, so zerbeißen sie die Reuse.

Ingleichen in einem weiten Netze mit Gesenk und Bley. Ein Dachshund stöbert ihn auf, und wenn er ins Netz fährt, so muß es schnell aufgezogen werden, da er denn wie ein Fisch darinn liegt.

*) S Pennant arctische Zool. I. 104. zweyter Band.

In Schweden kroch einmal eln dreister Kerl mit einer Kienfackel und einem Spieße mit Wiederhaken in der Hand, in eine Biberhöle, und tödtete ihn *)

5. Von Hautfeinden: Milben, und Eingeweidewürmern haben wir keine Nachricht.

Die Verbreitung dieser Thiere ist so merkwürdig, als ihre Lebensart.

In Europa sind sie ziemlich ausgerottet; doch sind sie in Preussen und Großlitthauen noch am häufigsten anzutreffen. **) In England waren sie noch bis 1288, wurden aber ausgerottet, weil sie die Dämme durchgruben. In dem an Pol grenzenden Rußlande finden sie sich noch. Schwerlich aber in Indien und Afrika, oder Südamerika, weil ihnen Hitze ganz zuwider ist. Hingegen haben wir aus dem höhern Norwegen Nachrichten von ihnen ***)

Die neue Welt, besonders Nordamerika, ist ihr Vaterland, wo sie sehr zahlreich, und von Virginien, ganz Canada, bis Labrador verbreitet sind. Hier, in allen diesen Provinzen variiren sie auch in der Farbe ****).

Der beste und schönste Biber des hohen Nordens ist schwarz; in dem südlichen Canada, und — auch hin

*) Von der Einrichtung der Biberfallen s. Rrüniy ökonomische Enzyklop. IV. 398.

"*) S. Bocks wirthschaftliche Naturgeschichte von Preussen. IV. 70. 73.

***) S. Pontoppidan R. H. von Norwegen. II. 51. wo seine Art zu bauen, gut beschrieben; aber nach Gewohnheit mit Fabeln verbrämt wird.

****) S. Zimmermanns Zool. Geogr.1. 275.

hin und wieder in Sibirien, fallen sie braun; bey den Illinesen giebt es gelb - und strohfarbige, und endlich finden sich zuweilen einzelne weiße, aber keine Racen, in Nordamerika, selbst schon in Polen.

Die Alten haben sie recht gut gekannt. Vormals waren sie am schwarzen Meer, in Italien, Persien und Aegypten. Nach den Grundsätzen der persischen Weisen (Magi) war es nicht erlaubt, sie zu tödten. Häufig lebten sie ehemals an den Ufern des schwarzen Meers, und waren unter dem Namen des parthlschetn Hundes bekannt. Allein es hat doch keiner ihre Geschicklichkeit im Bauen recht gekannt.

Der Schaden.

den diese Thiere, und zwar wegen ihrer Menge, in bevölkerten Ländern, an Wäldern, Wasserbauen und Dämmen thun, ist nicht unerheblich; allein

der Nutzen.

des ganzen Thieres ist von ausnehmendem Werth,
1. Das Fleisch, des Bibers wird zwar nicht allgemein gegessen, weil es halb Säugthier- und halb Fischfteisch ist, und zum Theil einen widrig bittern, zum Theil thranichten Geschmack haben soll. Das Vordertheil bis zu den Nieren hat den Geschmack des Dachsfleisches; das Hintertheil aber von den Schenkeln und Schwanze, weil es immer im Wasser hängt, die Natur des Fleisches verändert, und den Geruch und Geschmack des Fisches angenommen.

*) S. Plinius Hist.nat.lib. 8.c. 30 Große Ueberf.II. 296 der pontische Biber

Ein ganz sonderbarer Umstand, wle ich schon bemerkt habe!

Aber eben dieses Umstandes wegen wird es häufig in den Klöstern gegessen, weil nach der Naturgeschichte der Kirche das Thier fischartig ist. Vorzüglich ist es eine Speise der Cartheuser, die gar kein Fleisch essen dürfen *).

2. Der Schwanz, der oft drey bis vier Pfund wiegt, und die Hinterpfoten sind ein besonderer Leckerbissen für große Herren.**)

Als sich der König von Polen, Stanislaus 1734 mit seiner Hofstatt in Königsberg aufhielt, so wurde ein Biberschwanz von den Polen mehrmalen mit einem, auch wohl zween Dukaten bezahlt.

Dis Weiden in Canada, an der Hudsonsbay, und überhaupt in ganz Nordamerika, wie auch die Kalmücken, schätzen das Biberfleisch sehr hoch.

Aus dem Schwanze besonders, sollen die Wilden ein Oel ziehen, dessen sie sich als eines äußerlichen Mittels gegen alle Wunden bedienen.

3. Das ausgeschmolzene Fett gebrauchen die russischen und polnischen Aerzte, mit gutem Erfolg, in Nervenkrankheiten, Krämpfen, Gliederreissen u. s. w.


*) Possierlich aber ist es doch, daß die medizinsche Facultät zu Paris die Biber unter die Thiere, die eigentliches Fleisch haben; die theologische aber unter die Fische gesetzt hat, die man also in der Fastenzeit essen dürfe. Wie weit kann nicht das Interesse religionis gehen? Von der Zubereitung des Bibers zu den Fastenspeisen s. Krünitz ökonom. Enzyklop. IV. 406

**) Er wird wie ein Karpfen zerschnitten, und mit Salz so lange gekocht, bis er allen Thran verliert. S. Krünirtz I.c.. 407.

4. Die Knochen des Bibers sollen außerordentlich hart seyn, und könnten zu allerley Absichten gebraucht werden; man hat aber damit noch wenige Versuche gemacht.

5. Der Zähne bedienen sich die Wilden als Messer, Meißel und Bohrer, um Holz zu schneiden, auszuhölen, und glatt zu machen. Sie werden auch von unsern Künstlern zum Vergolden und Poliren gebraucht.

6. Das Bibergeil (Castoreum) war ehemals ein starker Handelsartikel, und in ganz Europa wäre es in einer Apotheke ein großer Defekt gewesen, wenn sie solches nicht gehabt hätte. Noch jetzt ist es officiel; wird aber so häufig nicht mehr gebraucht, weil es wegen seiner hitzigen Eigenschaften nicht alle Naturen vertragen können. Meistens kommt es aus Littthauen über Danzig, und das preussische soll vor allen Arten in der Welt den Vorzug haben *) Indessen nimmt England das Castoreum von den Russen, welches ungleich besser ist, als das amerikanische, und ein Pfund desselben kostet zwey Guineen.

Nicht nur die Apotheker, sondern auch die Materialisten führen es. Da das ächte Bibergeil in hochem Werthe war, so legte sich der menschliche Eigennutz auf Betrug, und suchte es aus verschiedenen Harzen, mit etwas Bibergeil vermischt, nachzumachen. Einige Betrüger machten es zu grob, und stopften die Säckchen mit Bley, Sand, Ziegelmehl, Erlenrinde und andern Quisquilien, aus.

Man kann das wahre und ächte canadensische von dem falschen an seinem starken Geruche bald unterscheiden,

*) S Bocks N. G. von Preussen IV. 71.


den jenes nie verliert. Es ist inwendig mit kleinen Häutchen und Fasern verwachsen, die dem letztern ganz fehlen. Auch ist das ächte am Gewicht schwerer; das nachgemachte aber leichter, aufgeblasen und glänzend.

Der vorgegebene Nutzen des Bibergeils ist bekannt genug, da es vorzüglich in einer Essenz dem weiblichen Geschlecht gegen Krämpfe, Mutterbeschwerden und andere hysterische Zufälle gegeben wird. Es ist hier der Ort nicht, den Werth oder Unwerth dieser Arzeney zu untersuchen. Sicher aber beruhet die so Hochgerühmte Kraft derselben auf einem physikalischen Irrthum, daß man diese Materie für die männlichen Geschlechtsteile des Bibers gehalten, und daher geglaubt hat, daß sie durch Sympathie die, von den Geburtstheilen herrührenden Zufälle des andern Geschlechts, heilen müßten.

Ganz ohne Nutzen mag es wohl nicht seyn. Denn es besteht größtentheils aus einem flüchtigen Salz, welches mit einem stinkenden Schwefel verbunden ist. Es besitzt also, wie man in der Medizin zu sagen pflegt, eine alkalische Natur, und dient in allen, von Säure herrührenden Krankheiten, in allzugroßer Erschlaffung der festen Theile, und bey schleimichten Säften; wie auch in solchen Fallen, da die Gefäße eines Reizes bedürfen; also in hysterischen und hypochondrischen Zufällen. Offenbar schädlich aber ist es allen Kranken, die keine hitzige Mittel vertragen können.

*) S. Krünitz am a. D. IV. 410. Martini's Naturlexzicon; Art. Bibergeil

Äußerlich haben die destillirten Oele vom Bibergeil einen guten Nutzen in Lähmungen, Schlafsucht Zittern der Glieder, und andern Krämpfen.

Auch sollen sich die Jäger desselben beym Fange der Raubthiere zur Witterung bedienen.

Drey Biber zusammen liefern etwa ein Pfund Bibergeil.

7. Lassen sie uns aber das Hauptproduct, das von dem Biber gezogen wird, nicht vergessen. Es ist das Fell oder der Balg und das schöne Kastor- oder Biberhaar.

Denken sie nur: an der Hüdsonsbay werden oft in weniger Zeit, über 50000 Biber getödtet, ohne die übrigen zu rechnen, deren Felle aus Canada, Rußland und Litthauen kommen. Im Iahr 1763 hat die Handlungsgesellschaft auf einmal 54670 Biberfelle verkaufen lassen, die alle an der Hudsonsbay gefangen waren.
Je schwärzer der Balg ist, desto vortreflicher und kostbarer. Es werden daraus die brauchbarsten Waaren: Mützen, Muffen, Handschuhe, Strümpfe, insonderheit Hüte verfertiget, die unter dem Namen Kastorhüte bekannt genug sind.

Die Handlung mit Biberfellen hat ihren besondern Sprachgebrauch, den Werth der Biberhäute zu bestimmen. Sie führt frische, getrocknete und fette Biber.

Der erste heißt auch der Winterbiber, oder der Moskowitische, weil er im Winter gefangen , nach Moskau geschickt, und, da er sich nicht gehärt hat, für das beste Unterfutter gehalten wird.

Der getrocknete oder magere Biber wird im Sommer gefangen, und hat durchs Hären schon verloren. Er heißt daher auch der Sommer- oder haarlose Biber. In den Hutfabriken leistet er doch noch große Dinste.

Die fetten Biber sind die Biberhäute , welche die Wilden im Winter, und zwar das Fell inwendig auf dem bloßen Leibe tragen, und welche also den Schweis in sich gezogen haben. Sie dienen nur zu den gröbsten Arbeiten.

8. Das Kastor- oder Biberhaar ist das feinste Haar des Thieres, und wird aus England, Holland und Hamburg verschrieben. Das Pfund kostet 10 und mehrere Thaler. Das moskowitische fällt kürzer und feiner, und wird zu einem Kastorhut, mit dem englischen aus Canada vermischt.

Wie es mit einer, an einem großen Bogen straff gespannten Saite, von dem Hutmacher gefilzt, oder durch das iosschnellen der Saite zu der feinsten Staubwolke geschlagen wird, müssen sie selbst sehen. Es ist eine artige Erfindung.

Man hat schon den Versuch gemacht, ganze Kleider aus Biberhaar ohne Naht zu verfertigen. Ein solches Meisterstück der Hutmacherkunst, hat der Director einer Hutmanufactur zu Ronnes, Hr. Ancheume 1785 geliefert *).

Die Kastorhüte sind nicht alle von gleichem Werth. Es giebt halbe und ganze. Die letzten kosten das Stück sechs bis acht Thaler. In Bauzen, in der Oberlausitz, werden schon sehr feine Kastorhüte verfertigt.

*) S. Hamb. Korresp. 1785. Nr. 13. Paris, d. 13. Jan. 1785.

Aus einem Pfunde Biberhaare können wohl zwölf Hüte gemacht werden. Allein es läuft Betrug mit unter, da statt der Biberhaare viele Hasen und Kamnchenhaare verarbeitet werden.

9. Im Leben haben die Biber auch den Nutzen, daß sie in den Gegenden, wo sie wohnen, keine Fischottern dulden; sondern sie alle vertilgen, und dadurch manchem Fische das Leben retten.

10. Sie dienen den Wilden mit der Quantität ihres eingetragenen Wintervorraths zum Kalender, welche darauf genau Achtung geben, wie groß sie ist, und aus dem größern und geringern Vorrath, die Strenge oder Milde des bevorstehenden Winters beurtheilen.

Von physikalischen Irrthümern, Fabeln und dergleichen

ist auch die Geschichte des Bibers nicht frey geblieben. Was mir davon bekannt geworden, will ich erzählen.

1. Daß man ihnen, obgleich ihre republikanische Lebensart, in Absicht unleugbarer Thatsachen, viel wunderbares enthält, allgemeine Begriffe einer ordentlichen Polizey und Regierungsform zugeschrieben hat. Sie sollen z. B. wenn ihre Gesellschaft zum Bauen in Ordnung wäre, durchreisende fremde Biber anhalten, und zwingen, Erde, Holz, u. s. w. herbeyzutragen. Eben so pflegten sie auch den Faulen unter sich, die nicht arbeiten wollten, und den Alten, die nicht mehr konnten, zu begegnen. Sie würfen sie auf den Rücken, und brauchten sie, statt eines Fuhrwerkes, Materialien herbeyzuschaffen. Eine Fabel, die man

schon von den Murmelthieren in die Naturgeschichte getragen hat!

2. Daß sich diese republikanischen Thiere nie anders, als in ungleicher Zahl versammelten, damit in ihrem Kollegio immer eine entscheidende Stimme wäre.

3. Da man das Bibergeil für die Hoden des Männchens ausgab, und ihm auch daher den fatalen Namen gab; so war die Fabel, die Plinius schon angeführt, bald gemacht: daß sich das Thier bey der Verfolgung der Jäger diese Theile abbeisse, und von sich werfe, weil es wisse, daß ihm deshalb am meisten nachgestellt würde. Es finde sich auch am größten und häufigsten im Vollmonde, um Bartholomäi, wenn die Ranzzeit dieser Thiere wäre, welches durch die richtigern Beobachtungen, daß sie in die Winterzeit fällt, widerlegt wird.

Hieher gehört auch die sonderbare Meynung Gottwaldts in der oben angeführten Schrift: daß die Beutel, worinn das Bibergeil verwahrt wird, dem Biber gegeben waren, um, wie die Beutelratze, seine Jungen darinn zu tragen.

4. Eine andere Fabel ist, daß der Wallfisch das Bibergeil nicht riechen könne, und dadurch ganz wütend werde. Wenn daher ein Fremder durch, den norwegischen Meerbusen reise; so warnten ihn die Einwohner, kein Bibergeil bey sich zu führen, weil er sonst unglücklich wäre, und der Wallfisch das Boot umwerfe.

s. In Sibirien sahe Gmelin bey einer Weibsperson ein Amulet, welches ein Knochen aus dem Kniee eines Bibers war. Es wird nur alsdann angehängt.

gehängt, wenn sie Schmerzen an den Füßen haben *).

Die besten Schriften,

welche die wahresten und umständlichsten Nachrichten von der Lebensart und Geschicklichkeit der Biber im Bauen enthalten, sind:

Buffons Naturgeschichte der vierfüßigen Thiere, Mart. Ausg. 5 ,B. S. 139.
Martinis allgemeine Geschichte der Natur in alphabetischer Ordnung, 7 Th. S. 327.
Bonnets Betrachtung über die Natur von Titius, 4te Aufl. II. 318.
Krünitz ökonom. Enzycl. iv. 387. Biber.
Schlözers neue Erdbeschreibung von ganz Amerika, S. 20.
Carvers Reisen über die innersten Gegenden von Nordamerika, S. 376.
Taubens Slavonien und Syrmien, S. 20
Abhandlungen der schwedischen Akad. der Wissenschaften, 18 B. S. 196. Geisler vom Biber, dessen Lebensart und Fange, mit vielen, theils neuen, theils richtiger angegebenen Umständen.
Abhandlungen, 38 B. S. 222. Elias Lagus Beschreibung, wie die Biber im Kirchspiele Kusamo in Kimi Lappmark gefangen werden. Tab. V. F. 2. die Falle, und Erläuterung des Sprichworts: so still, als beym Biberfangen.
Bechsteins Naturgeschichte Deutschlands, I.414. .
Pennants Thiergeschichte der nördlichen Polarländer, I. 98.

*)' S. dessen Reise durch Sibirien. I. 105.

Gatterer vom Nutzen und Schaden der Thiere, I. s64. , . ....z ..

Die beste Abbildung in Perrault, Charras und Dodarts Abhandl. aus der N. G. I. Tab. 20. Schrebers Säugthiere IV. 623. Tab. 175.

Zuletzt muß ich noch von einem Biber in Südamerika, in Chili, eine Nachricht mittheilen; allein es sclheint dieß in einem so heißen Lande keine eigentliche Blberart zu seyn, weil er auch in einigen wesentlichen Stücken von dem wahren nordamerikanischen Biber abweicht.

Im Lande heißt er Guillino*), und ist eme Art von Biber, die wegen der Feinheit des Haares sehr geschätzt wird. Seine Länge bis zum Anfange des Schwanzes drey, und die Höhe zween Fuß. Das Rückenhaar grau, unter dem Bauche weißlich. Kleider von diesem Fell, schwarz und blau gefärbt, wie der schönste Sammt. Man macht auch daraus herrliche Kastorhüte.

Bey den Schaamtheilen keine Spur von dem sogenannten Bibergeil. Das Thier hält sich in den tiefsten Oertern der Flüsse und Seen auf, wo es lange bleibt, ohne nöthig zu haben, Luft zu schöpfen, well das eyrunde Loch des Herzens halb offen, wie bey den Robben ist. Es nährt sich von Fischen und Krebsen, wovon es hernach die Excremente, wie die Katzen, an einen besondern Ort legt. Hierbey wird es gemeiniglich von den Jägern überrascht. Von Natur ist das

*) Castor Huidobrus; cauda longa compresso lanceo lata, palmis lobatis, plantis palmatis. S. Molina R.G, von Chilli. S. 253

das Thier sehr wild, und so muthig, daß es die Fische vor den Augen der Fischer aus den Reusen holt. Das Weibchen trägt, wie im Lande vermuthet wird, nicht länger als fünf Monat, und wirft zwey oder drey Iunge Der gelehrte Leibnitz hat auch von den Biberbauen, und ihren an den Ufern des adriatischen Meers angelegten Dämmen, Anlaß zu einer Muthmaßung genommen: daß ehemals da, wo jetzt bebauete Gegenden sind, Meer und Sümpfe gewesen sind.

Die Stelle steht in seiner Protogäa**) Tantum orbis facies Mortalium studio mutata est, vt magnam habitationis suae.partem genus humanum credam sibi ipsi debere; tamatsi et Castores, industrium animal, arte quadam sua, aggeres et stagna parae constet.