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  • Middleton: Beaver Hunting in Canada 1777

  • Conrad Gesner Historiæ Animalium 1558

  • Kanadisches Mobilisierungsplakat 2.Weltkrieg

  • Briefmarke Polen Biber 1,25 Zloty

  • Wappen Eno (Finnland)

Carinthia: Zeitschrift für Vaterlandskunde 1870

Carinthia: Zeitschrift für Vaterlandskunde, Belehrung und Unterhaltung, Band 60
Druck von F. v. Kleinmayr., 1870

Die Carinthia ist eine in Kärnten erscheinende Zeitschrift, die am 1. Juli 1811 erstmals erschien, und damit die drittälteste noch bestehende Publikation dieser Art im deutschen Sprachraum und die älteste österreichische Zeitschrift.

Der Biber.

Der Biber fand schon in den Naturgeschichten der Griechen und Römer besondere Beachtung. Durch seinen auffallenden Schuppenschwanz, seine Lebensweise im Wasser, die dort aufgeführten Bauten zog er frühe die Aufmerksamkeit des Menschen auf sich und nachdem man sein Fell schätzen und die Heilkraft der sogenannten Bibergeil, des Inhaltes eines vor dem After an den Geschlechtstheilen des Bibers mündenden Drüsensackes, kennen gelernt, wurde er schon im Alterthum ein sehr gesuchtes Thier. Die Biber lieben nur ruhige Gegenden; wohin der Mensch seine Kultursanstalten verpflanzt, ist kein Bleiben mehr für sie. Soweit sie dann nicht den Nachstellungen des Menschen erliegen, müssen sie weiter ziehen, oder die noch zurückbleibenden halten sich in einfachen Bauen auf, bis auch sie eine Beute des Jägers werden. Nachdem die Naturforscher des Alterthums und Mittelalters ihre Kenntniß über alle Thiere, mit denen der Mensch nicht im unausgesetzten Verkehr stand, sehr selten aus eigenen mit wissenschaftlicher Schärfe angestellten Beobachtungen und Forschungen, sondern nur aus Ueberlieferungen Anderer schöpften, so betrieben sie Naturgeschichte oder besser gesagt Thiergeschichte im eigentlichen und engsten Sinne des Wortes. Diese ist in solcher primitiven Form gewöhnlich nur eine Nacherzählung von halb wahren, halb falschen Angaben, am richtigsten dann, wenn die Schilderung so gehatten ist, wie Herodot Geschichte über Menschen schreibt, am sagen- und fabelhaftesten dort, wo die Fantasie des Schreibenden einen Antheil an seinen Berichten hat. Es dürfen uns daher die Märchen nicht Wunder nehmen, welche von Alters her über den Biber in Umlauf kamen und von den spätem Naturgeschichten nacherzählt worden sind.

Der Biber bildet eine eigene Familie der Nage- oder Pfotenthiere, welche bekanntlich in jedem Kiefer 2 meißelartige, zugeschärfte, gebogene Vorderzähne, aber keine Eckzähne zum Festhalten und Zerreißen der Beute, noch Lückenzähne besitzen und deren Backenzähne weder mit scheerenartig in einander greifenden Spitzen versehen, noch feinzackig sind, sondern eine prismatische oder cylinderförmige Gestalt haben und ihrer Oberfläche nach zum Zermalmen der Futtergegenstände eingerichtet sind. Sind diese Thiere nach solchem Zahnbau überhaupt nur auf Pflanzennahrung angewiesen, so gilt dieß aber besonders bei dem Biber nach der Gestalt und Stellung seiner Nage und Backenzähne, und dennoch ist derselbe in den alten Naturgeschichten als ein höchst gefährlicher Feind der Fische und Krebse verschrieen und der nach Fleischkost lüsterne Pfaffe des Mittelalters machte sich diesen Ruf des Bibers zu Nutzen, um ihn am Freitag statt Fischen und Krebsen essen zu dürfen.

Im Alterthum und fast noch mehr im Mittelalter war man bei den Thieren, welche durch besondere Eigenthümlichkeiten ihres Instinktes überraschen, noch freigebiger in der Annahme menschengleicher Intelligenz, als die Materialisten unserer Zeit; es darf daher nicht überraschen von der Ueberlegung, Schlauheit und Berechnung und dergleichen Eigenschaften und Verstandesäußerungen des Bibers manigfache Züge überliefert zu finden. Am weitesten gehen in dieser Richtung die Erzählungen Geßner's in feinem Thierbuch (Frankfurt 1669), bei denen man Um eine Erklärung verlegen ist, wie sie überhaupt entstanden sein mochten, und so lange und so vielfach geglaubt und nacherzählt wurden. Die merkwürdigsten darunter sind wohl folgende zwei über die Sclaverei bei den Bibern, und über die Rettungs- und Racheversuche, welche sie mit der eigenen Bibergeil treiben sollten.

In ersterer Beziehung berichtet Geßner: „Wann an Wassern ihrer viel wohnen und nicht Holtz vorhanden, ziehen sie mit einander in die nächsten Höltzer, legen einen auf den Rücken, strecken und binden ihm seine Beine, als wie einen Wagen mit Wagenleitern, laden alsdann Holtz auf, so viel als sie bedüncket daß der liegende tragen möge, und ziehen ihn also bei dem Schwanz zu dem Ort und Neste, dahin sie das Holtz haben wollen. — Wie wohl nun da keine Vernunft, so ist dennoch in diesem Thier eine solche natürliche Eigenschaft, daß sie zu dieser Bosselarbeit (gleich als würde der solcher Gestalt auf der Erden liegende und geschleppte Biber beschimpfet und geschändet), keinen Einheimischen umb die Gegend da sie wohnen, erzeugten Biber brauchen, sondern wo sie under ihnen entwann einen wissen, der auß andern Landen verjagt worden, oder sonst bey ihnen eingenistet ist, den brauchen sie als einen unbekannten, und der mehr Schmach als andere erdulden möge, weil er als frembd, keinen Beystand oder Vertheidiger habe, sondern etwas Dienstbarkeit erleyden müsse, indem er ihrer Weid gemessen wolle. — Etliche sagen, daß sie solches auch den Fremden nicht thun, sondern nur den Alten, so zum Hauen und zum Holtzen untauglich wegen abgewälzter Zähne."

„Solches, sagt Albertus Magnus, hab er von erfahrnen Jägern gehört, und Olaus Magnus hilfft ihm seine Meynung bestätigen, derhalben es fast der Wahrheit gleich stehet,"

Ueber das Benehmen des Bibers, wenn er in Gefahr geräth, vom Jäger gefangen oder erlegt zu werden, theilt Geßner mit:

„Etliche sagen, wann der Biber gejagt, und so nah an den Hag oder die Netze getrieben werde, daß er sich besorge gefangen zu werden, haue er ihm selbst seine Geylin auß, und werffe sie dem Jäger dar, als eine Rantzion und Lößgeld für sein Leben. Andere wollen, er sey so neydisch, daß er dem Menschen solche seine Geylin, die er dem Menschen nutzbar wisse nit gönne, und wann er sähe, daß er gefangen sey, sie ihm auß haue und verschlucke. Welcher Streit aber vielleicht damit entschiden werden möchte, wann man sagen wolle, der Biber würde übereylt im Außhauen, also daß der Jäger sie bekäme, ehe als er sie verschlucken könnte. Wiewol Aelianus den Ersten mehr zustimmt und sagt, daß, wann der Biber ihm selbst die Geylin einmahl außgehauen habe und hernach etwann mehr gejagt werde, so zeige er dem Jäger von fernen, was ihm vorhin schon außgehauen worden, und der Jäger ihm darumb vergebens nachjage; so wollen dennoch etliche, daß der Biber solches nur thue von wegen deß starken Geruchs, so seine Geylin haben, dadurch er die Hunde, so den Geruch scheuen, hinderhalte."

Aber auch die America-Reisenden, welche die ersten ausführlicheren Nachrichten über die dortigen Biber brachten, lieferten neben vielem Richtigen noch manchen Beitrag zu jenen Märchen und Uebertreibungen. Dahin gehört, daß die Biber mit einander zu sprechen und sich in unarticulirten, weinerlichen Tönen zu bereden scheinen, daß sie mitten in einem Teich, unter dem Wasser Löcher zur Einrammung von 6 Pfählen machen, um darauf ihre Burgen in drei Stockwerken aufzubauen, daß sie zur Anlegung der Dämme ihrer Teiche arms- und schenkelsdicke 2 — 6 Schuh lange Stämme dicht nebeneinander mit dem einem Ende tief in den Boden senken, dazwischen andere kleinere und biegsamere Stücke schieben und die Zwischenräume mit Lehm ausfüllen, wozu sie sich des Schwanzes als Mulde zum Herbeitragen des Mörtels und als Kelle zum Anwurf bedienen. Erst Hearne, welcher 1769 —1772 an der Hudsonsbai, und Cartwright, welcher ungefähr 12 Jahre in Labrador zubrachte, lieferten über die Lebensweise und Baukunst des americanischen Bibers die nüchternsten Berichte*), welche durch Reisende und Forscher neuerer Zeit, wie Audubon, Prinz von Wied besonders aber durch Wood und in jüngster Zeit durch Morgan's Schrift: The Beaver and his works und Dr. Hermann Credner ****) aufs schönste bestätigt und durch letztere beide noch in höchst anziehender Weise weiter ausgeführt wurden. Gerade diese Schrift erweckt noch besonderes Interesse, da sie den höchst merkwürdigen Einfluß des Bibers auf den topographischen Charakter gewisser Landstriche Nordamerica's beleuchtet.

Der Biber bewegt sich bekanntlich weit schneller und leichter im Wasser als auf dem Lande, Zum Schwimmen dienen ganz vorzüglich die mit Schwimmhäuten versehenen Hinterfüße, zum Steuern, Tauchen und Steigen sein flacher breiter, schuppiger Schwanz; dabei vermag er 8—10 Minuten lang ohne zu athmen unter dem Wasser auszuhalten. Langsam, schwerfällig und plump sind dagegen seine Bewegungen auf dem Lande, am unbehülflichsten dann, wenn tiefer Schnee dasselbe deckt; überdieß fehlt ihm alle Einrichtung zum Klettern. Seine Nahrung besteht nur aus Pflanzenstoffen und vorwaltend aus Rinden blos von Laubbäumen, Buken, Pappeln, Weiden, Ahorn und Eschen, welche sich zwar an Wässern, aber nicht in denselben finden. So ist er mit seiner Nahrung auf das Land angewiesen und da er keinen Winterschlaf hält, muß er sich in der wärmeren Jahreszeit reichliche Vorräthe für den Winter sammeln und sie vor dem Schnee und Eis bewahren. Der Transport derselben ist ihm nur im Wasser möglich, er kann sie daher nur von Bäumen nehmen, welche am Ufer von See'n, Flüssen oder Bächen sich befinden, oder an den Rand von Wässern gebracht werden können. Die eigene Wohnung muß er so anlegen, um besten Schutz gegen Kälte und ungehinderten leichtesten Verkehr nach den Stellen zu gewinnen, wohin er die Vorräthe sicher unterbringt. Wäre nun der Biber blos auf die ihm frei zugängliche Nahrung angewiesen,

*) Hearne Reise nach der Hudsonsbai 1795 übersetzt; von R. Forster 1797;

Cartwright im Journal on the coast of Labrador III. (Jfis 1830. 338).

Beide auszugsweise in Okens allgemeiner Naturgeschichte, Stuttgart 1833.

VII. Band. 2 Abtheilung 752-755.
**') A. E. Brehm illustrtrtes Thierleben Hildburghausen. 1865. 2. Band.
172 und folgende,

***) Adolf und Karl Müller: Wohnungen, Leben und Eigentümlichkeiten in der
höheren Thierwelt. Leipzig. 1869, 182—187.
****) Mittheilungen von Dr. A. Petermann. Gotha 1869. S 139.


so müßte er sich auf Gebüsche und Jungholz in den Wäldern beschränken, könnte die Laubbäume nur am Fuße entrinden, während der ungeheure Reichthum an Nahrstoff in den zahlreichen Aesten bis zur Krone dieser Bäume und sie selbst dem gänzlichen Verderben preisgegeben wären. So würde der Biber in kurzer Zeit um sich herum den Untergang solcher Laubwälder verbreiten und unter allen Thieren der fürchterlichste Verwüster derselben werden. Von einem Zusammenleben der Biber in größerer Gesellschaft könnte keine Rede fein, derselbe käme bald mit der Zeit und Arbeit nicht aus, um sein Nahrungsbedürfniß, das bekanntlich bei allen pflanzenfressenden Thieren ein außerordentlich großes ist, für den langen Winter zu decken, wenn er die Vorräthe alle in kleinen Portionen nach einen für ihn auch im Winter leicht zugänglichen Ort zusammentragen müßte. Sollte solches möglichst vermieden werden und will die Natur nicht einem Zwecke viele andere opfern, so bedingt dieß eigenthümliche Einrichtungen in der Organisation und Lebensweise des Bibers und diese sind wirklich getroffen.

Mit seinen scharfen meißelartigen Schneide- oder Nagezähnen vermag der Biber 3—6 Zoll breite ringförmige Einschnitte in den Baum zu machen, und durch hinreichende Vertiefung derselben bis zu 3 Schuh dicke Bäume zu fällen. Sein Instinkt lehrt ihn, diese Einschnitte so anzubringen, daß der Baum nach der offenen, nach der für die weitere Arbeit günstigsten Seite d. i. dem Wasser zufällt. Ist dieß gelungen, so beginnt nun die Entästung und Zerschneidung des Stammes zu Stücken von 6 Zoll, ja selbst bis zu 12 Zoll Dicke und von 3, 4 sogar 6 Schuh Länge, wie es eben der Transport derselben im Wasser und ihre Aufbewahrung unter demselben am zweckmäßigsten erscheinen läßt. Rasche Strömung würde jedoch die Einheimsung der Früchte gethaner Arbeit gefährden; um ruhiges Wasser zu schaffen und es in ausgedehnterem Maße als Transportmittel benützen zu können, baut der Biber quer über den Bach in gerader, bei Strömung aber in der, der Strömung zugekehrt gekrümmten Richtung einen Damm. Zur Herstellung desselben dienen abgeschälte Aeste und Stammstücke von 3—4 Fuß Länge, welche kunstlos an- und übereinander gehäuft und so mit Steinen beschwert, mit Sand und Schlamm verkittet werden, daß der entstehende Wall am Grunde zwei bis dreimal so breit als an der Krone wird, während seine Böschung stromabwärts flach, entgegengesetzt steil ausfällt. Solche Dämme erreichen nicht selten eine Länge von 700-1000 Fuß, nach Dr. Credner's Versicherung sogar bis zu V» engl. Meile, eine Dicke von 10—12 Fuß und eine Höhe, bei der das Wasser bis zu 5 auch 6 Fuß über den gewöhnlichen Stand gestaut wird. Alles überschüssige Wasser sikert durch Zwischenräume des Dammes durch oder läuft durch einen Einschnitt ab, durch den die Höhe des Wasserspiegels regulirbar ist. Die auf die Ausbesserung aller Schäden des Dammes unausgesetzt verwendete Aufmerksamkeit des Bibers, die Verstärkung, welche der Damm immer fort durch entrindete Hölzer erhält, und die Verdichtung, welche er durch die Schlammabsätze des Baches erfährt, machen zuletzt möglich, daß Weidenzweige, welche theilweise zum Bau verwendet, theils sonst dahin gelangt sind, Wurzeln fassen und so das Werk gegen Hochwasser noch widerstandsfähiger machen. In dem so gebildeten Teiche kann der Biber ohne Gefahr vor Verlusten die Fällung und Zerstücklung der Bäume fortsetzen, aber auch an einer passenden Stelle im Wasser selbst sein Haus aufbauen, wenn es zur Anlage von geräumigen Höhlen an einem geeigneten Steilufer gebricht. Auch dazu dient dasselbe Materiale wie zur Ausführung der Dämme. In Gestalt eines flachen Bienenkorbes erhebt sich, nach Credner, das Biberhaus, das, anfangs klein angelegt, in dem Maß vergrößert wird, als die Familie des Bibers wächst, welche aus 4 bis 14 Gliedern, nach andern auch aus 20 Gliedern besteht. Dazu werden von Außen immerzu entrindete Aeste und Zweigstücke gleichmäßig angehäuft und mit Schlamm verkittet, während gleichzeitig die Kammer von innen heraus immer mehr erweitert wird. Diese erreicht inner den 3—6 Fuß dicken Wänden einen Durchmesser von 6—7 Fuß Ihr Boden befindet sich 2—3 Fuß über dem Wasserspiegel und ist mit zwei Eingängen versehen. Der eine steigt vom Grunde des Teiches in gerader Richtung allmählig bis in die Kammer an und dient, um dahin zur Mahlzeit dienende Aeste und Zweigstücke zu bringen, der andere ist wincklig und steil angelegt und dient zum Ein- und Ausgang der Biber, wenn sie keine Last tragen. An dem Damme und an seinem Hause bewahrt der Biber seine Wintervorräthe in solcher Tiefe unter dem Wasserspiegel auf, daß sie nicht vom Eis ergriffen werden können, und so mag Schnee die Ufer und seine Burg und Eis den sie umgebenden See bedecken, die Verbindung zwischen seiner Kammer und den Wintervorräthen bleibt auch dann noch unter dem Wasser hergestellt und durch Löcher in der Wand kann die Luft in die Kammer dringen. In dem Maß die Ränder des Baches, in welchem der Biber haust, von Laubholz entblöst werden, dient nach Verhältniß der Uferbildung der Bibcrdamm dazu, um durch Erweiterung und Erhöhung desselben den Bibersee bis zu frischen Beständen auszudehnen. Häufig fehlen aber überhaupt die zur Nahrung dienenden Bäume in unmittelbarer Nähe der Gewässer und sind durch Nadelhölzer ersetzt, während sich das Laubholz erst in Entfernung von mehreren hundert Fuß vom Ufer am Abhang von Hügeln in solcher Lage vorfindet, daß das Wasser nimmer bis zu diesen Gehängen aufgestaut werden kann. Dann legt der Biber Kanäle zum Wassertransport der ihm zu Nahrungsmitteln und Baumaterial dienenden Baum- und Aststücke an und stellt somit eine Wasserverbindung zwischen dem Teich, in welchem seine Hütte liegt, und den Berglehnen, an welchen seine Nahrung wächst, her. 2—3 Fuß breit, 1 1/2 bis 4 Fuß tief sind diese Kanäle mit senkrechten Seitenwänden bis 800 und selbst mehr Fuß lang zum Laubholzgehänge geführt, wo sie sich häufig in zwei Armen längs desselben hinziehen und zur Aufnahme nud Transport der dort gefällten und zerstückten Hölzer dienen.

Sind alle diese Bauten schon an sich für die Lebensöconomie des Bibers und die Aeußerung seines Instinktes von höchstem Interesse, so sind sie es nicht minder für die weitern Folgen davon und die Zwecke, welche die Natur damit dann erfüllt, wenn der Biber längst aufgehört hat, davon Nutzen zu ziehen. Und damit eröffnet uns Dr. Credner eine neue und höchst merkwürdige Seite der Biberthätigkeit in ihrer Rückwirkung auf den Landschaft - Character der Hälfte des nordamericanischen Continentes, umfassend das Hudson-Bai-Territorium, Canada und das Land aller nordamericanischen Staaten vom Washington-Territorium und Oregon bis zum Gebiete des Erie- und Ontario-Sees. In jedem Thal der dortigen Wildniß wird man von den Anlagen der Dämme überrascht, durch welche der Biber das Thal überschwemmte, Bäume umstürzen und absterben ließ. „An der Stelle düsterer, sumpfiger, von Gestrüpp dicht bedeckter Thäler breiten sich weite Seen aus, welche 20, 50 ja 100 und mehr Acker Landes bedecken, auf welchen sich die Blätter der Wasserlilie ausbreiten. — Beim Zurücklegen einer halben (englischen) Meile trifft man oft 3—4 Teiche, an den Quellflüssen des Ford am Süduser des oberen Sees in Meilen 15 Teiche. Der Chocolade-Fluß, welcher in der Nähe von Maiquette in den oberen See fließt und selbst nur 6 Meilen lang ist, weist im Verein mit seinen Nebenflüssen über 200 Biberdämme auf; westlich von Maranette an den Quellen des Ford und Esconaba zählt ein Areal von 2 Quadr.-Meilen gegen 70 größere ,Biberdämme und Teiche, von denen manche 50—60 Acker Land bedecken. Nach Sir. John Simpson ist die Hälfte alles Landes in der Umgebung der Hudson-Bai vom Biber unter Wasser gesetzt", — Dieser so gegen früher ganz veränderte landschaftliche Character der Gegend wechselt aber bald mit einem ganz neuen, wenn die Erbauer der Dämme nicht mehr sind. Die Frühlingsfluthen beginnen endlich die Dämme zu durchreißen, das angestaute Wasser wird wieder frei, die alten Ufergrnnde treten nun, aber entholzt und von Schlamm bedeckt, zu Tag und bedecken sich bald mit höchst üppigem Graswuchs. So werden die Biberteiche zu Biberwiesen, „lichte Oasen im monotonen Düster des Urwaldes, zu denen der Hirsch zur Weide zieht und welche für die in der Nähe befindlichen Ansiedlungen erstaunlich reiche Heuernten geben". Aber auch die Biberkanäle, welche vom Teiche aus der Mehrzahl nach durch Sümpfe und flache feuchte Thalgründe nach dem Fuß der nächsten Anhöhen ziehen, werden jetzt nach Abfluß der Teiche zu Abzugsgräben für die Sümpfe und feuchten Gründe, oder ihr Bett dient zuweilen für neue Wasserzuflüsse zu dem Bach, oder es ist damit etwa gar eine Verbindung mit einem andern Gewässer hergestellt worden. So haben die Biber durch ihre Canäle dem Trout Lake zwei Ausflüsse verschafft; der eine geht durch den Chocoladefluß in den Lake Superior, der andere durch den Esconaba in den MichiganSee. Ebenso sollen in den als Wasserscheide zwischen den Zuflüssen des Mississippi und des Lake Superior sich äußerst sanft erhebenden Platcaux von Minnesota und Wisconsin die Biber mehrere Verbindungen zwischen dem Quellengebiet des Lorenz- und Mississippistromes hergestellt haben.

In Europa beschränkt sich der Aufenthalt des Bibers nur noch auf das nördliche und östliche Gebiet; in Deutschland kann man ihn schon bald zu den ansgestorbenen Thierarten rechnen, da er beinahe nur noch in Thiergärten und an wenig andern Orten, z, B. in Mödling, gehegt wird. Dort hat man auch Gelegenheit, das Benehmen und die Gewohnheiten des europäischen Bibers kennen zu lernen. Die Biber in Mödling*) machten Höhlen am Ufer des Teiches mit einem stets unter dem Wasserspiegel befindlichen Eingang, welcher durch eine schräg nach oben gehende 6—18 Fuß lange Röhre zu einer in mehrere Kammern getheilten Höhle führte, deren Boden reichlich mit zerbissenen Holzspänen und Splint ausgefüttert war. Ueber die noch in den ersten Decennien dieses Jahrhunderts am Flüßchen Ruthe, einem Nebenfluße der Elbe, in der Nähe der Stadt Barby beobachtete Biberansiedlung berichtet von Meyerink, daß diese Biber bei sehr seichtem Wasserstand, wodurch der Eingang zu ihrer am Ufer angelegten Höhle über den Wasserspiegel gerieth, mit starken Reisern, Schlamm und Schilf einen Damm im Flusse aufführten, wodurch das Wasser oberhalb desselben auf 1 Fuß gestaut wurde, und daß sie denselben, so oft er weggerissen wurde, während der Nacht wieder herstellten.

In größerer Menge finden sich Biber noch in den Gewässern Sibiriens. Ueberall aber, wo der Mensch in der Nähe seiner Ansiedlungen ist, beginnt auch bald die unablässige Verfolgung derselben. Besäße der Biber die ihm in Geßner's Thierbuch nachgerühmte Klugheit — „gewiß! er risse sich wenigstens die brauchbarsten Grannen-Haare seines mit zehn bis zwanzig Thalern bezahlten Pelzes— nicht aus Verzweiflung, sondern aus Klugheitsrücksichten aus, um so, zwar weniger schön gekleidet, aber weit unbehelligter, seinen Nage- und Wasserbaukünsten leben zu können" *).

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