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  • Conrad Gesner Historiæ Animalium 1558

  • Kanadisches Mobilisierungsplakat 2.Weltkrieg

  • Briefmarke Polen Biber 1,25 Zloty

  • Wappen Eno (Finnland)

Behlen: Real- und Verbal-Lexicon der Forst- und Jagdkunde 1840

Real- und Verbal-Lexicon der Forst- und Jagdkunde mit ihren Hülfswissenschaften: A - E, Band 1
Stephan Behlen, Frankfurt, Sauerländer, 1840 - 763 Seiten

Biber, Castor. Franz. le Castor. Engl. the Beaver. Gattung Säugethiere, nach Linné zu Glires, nach Cuvier ebenfalls zu Glires, nach Pennant zu den Thieren mit Fingern oder Zehen, nach Blumenbach zu den mit kurzen Schwimmfüßen, nach der Jagdeintheilung, nach Bechstein zu den jagdbaren minder wichtigen, uneßbaren, wilden Säugethieren gehörend. Zehenthier, aus der Familie der Nager. Das äußerste Glied der Zehe mit Hornmasse überzogen; keine oder undeutliche Eckzähne, beschuppter Schwanz. Gattungsmerkmale: Vorderzähne mit keilförmiger Schneide, an jeder Seite 4/4 Backenzähne. (Schnauze stumpf; Ohren klein, rundlich; Körper mit längeren Haaren und mit Wolle bedeckt; fünf Zehen, an den Hinterfüßen durch eine Schwimmhaut verbunden; vier Brustzizen; Schwanz kürzer als der Leib, nur oben behaart und unten beschuppt; Schwimmfüße.)

Art: Gemeiner Biber, Castor fiber. (Erd - oder Landbiber.) Kastanienbraun, unten blasser; Schwanz kurz, eiförmig, zusammengedrückt, beschuppt, hinten Schwimmfüße. (Schwimmfähiges Landthier mit verlängertem Fersenbein; Zehen mit Nägeln; Nagegebiß und schuppiger Schwanz; Länge bis 3 Fuß; Schwanz 11 Z. lang, 5 Z. breit und 1 1/4 Z. dick; Füße kurz, etwas einwärts stehend, an den Vorderfüßen die Zehen ohne Schwimmhaut;

struppiges Kopfhaar; die langen Haare des Körpers kastanienbraun. Weibchen kleiner und geschmeidiger; Stimme heulend. Neben dem After zwei Drüßenbeutel, worin ein sehr starker, durchdringender Saft, der Bibergeil, der sich ansammelt und verdichtet.

(Der Nutzen dieser Substanz für das Thier selbst ist naturgeschichtlich noch nicht ausgemacht, man nannte ihn aber Bibergeil, weil man die Drüßenbeutel für die Geilen — Hoden — hielt.)

Abweichend von den andern Säugethieren befinden sich die Zeugungstheile in einer Kloake, und die Testikel beim männlichen Biber im Unterleibe.

Unterarten: Röthliche, gefleckte und weißeBiber. Der Biber ist in und außer Europa zu Hause, besonders in Nord-Amerika — Canada — früher in Deutschland fast überall anzutreffen gewesen, aber sehr selten geworden, theils, weil ihm des Nutzens wegen sehr nachgestellt wurde, theils vermeinter Schädlichkeit für die Fischerei wegen; die Nachtheile desselben für die Holzzucht wurden zu hoch angeschlagen. An der Elbe, in einigen Gegenden Bayerns u. s. w. werden noch Biber angetroffen und wo sie sich von selbst einfinden, gehören sie zu den Regalien; hegen aber kann sie füglich nur ein Waldeigenthümer innerhalb seiner Besitzungen, doch verdienten sie im Allgemeinen mehr Aufmerksamkeit und Schonung. Überall sind die Biber nur zerstreut in Familien und zwar an fließenden Wassern, in der Nähe von Gehölzen. An den Ufern und Dämmen legen sie ihre Baue — Burgen — an, jedoch nach neuern Erfahrungen und Nachrichten nicht solche Kunstgebäude, wie die Natur- und Reisebeschreibungen versicherten, sondern mehr ein Anhäufen von Baumstämmen, theils zum Aufenthalte, theils zur Aufbewahrung der Nahrungsvorrätbe. Es gehen die Biber nach den Laubholzarten und besonders nach den weichen, von denen sie die jungen Stämmchen abschneiden und hinwegtragen. Sie können dabei auf den Hinterbeinen allein gehen, nehmen die Stämmchen quer zwischen die Zähne, und an einem schweren tragen auch ihrer mehrere. Dann wird mit der Brust und den Vorderfüßen Erde nach der Burg hin geschoben, und mit dem Wasserstande von gleicher Höhe Röhren angelegt. Nur abwechslungsweise, nicht bei schönem Wetter bleibt der Biber im Baue, sitzt aber übrigens gerne in der Nähe davon im Wasser, auf Steinen oder Anhöhen, und die Fabel sagt, daß er den Schwanz ins Wasser hänge, um damit Krebse zu fangen.

Der Biber hat sehr scharfe Sinne, ist scheu, flieht schnell vor dem Feinde, seine Waffen sind die langen, sehr scharfen Schneidezähne, auch den Hunden furchtbar. Der Gang ist etwas schleppend; in ihren Burgen sind die Biber sehr reinlich und leben friedsam; schlafend sollen sie auf dem Rücken liegen; bei der Begattung gleicht der Ton jenem der Eichhörnchen, im Zorne aber dem eines heißeren Schweines. Das Lebensziel der Biber soll 20 Jahre sein. Junge Biber sind zähmbar, werden zutraulich, und lernen den Aufenthalt im Wasser entbehren.

Die Nahrung dieser Thiere besteht in weichen Rinden der abgeschnittenen und nach der Burg geschleppten Baumstämmchen von Saalweiden und andern Weidenarten, Pappeln, Eschen, Bohnenbäumen, Linden, Hasseln, und im Nothfalle auch Eichen und Buchen; besonders von ihnen gesucht aber ist Obst. Es ist durch Beobachtungen widerlegt, daß der Biber Fische und Krebse verzehre; schon sein Gebiß zeigt an, daß er ein pflanzenfressendes Thier ist, von der Natur bestimmt, sich gleichsam eine Insel zum Aufenthalte anzulegen, weil er außerdem offenbar auf dem Lande vor seinen Feinden gar nicht aufkommen könnte, auch zeigen die Excremente deutlich genug, daß weder Fische noch Krebse von ihm verzehrt werden, sowie nicht dergleichen, oder Überbleibsel davon im Bau gefunden werden, auch die Biber dieselben gar nicht angehen, wenn der Versuch gemacht wird, sie damit zu füttern, oder Gelegenheit gegeben ist, mit leichter Mühe ihrer habhaft zu werden. Im Februar, bei gelinder Witterung, tritt die Ranzzelt ein; die Begattung geschieht von vorne; das Weibchen trägt vier Wochen lang, bringt 2 — 5 Jungen zur Welt und säugt diese bis an sechs Wochen; das Männchen hält sich indessen mehr außer dem Baue auf; die Jungen werden im dritten Jahre fortpflanzungsfähig.

Feind des Bibers ist der Otter; Eingeweidewürmer sind die vorzüglichste Ursache von Krankheit.

Der Nutzen des Bibers besteht in dem geschätzten Balge — die Haare werden zu sehr feinen Hüthen verwendet — dem Bibergeile, als einer sehr wirksamen Arznei in einigen Krankheiten, und dem genießbaren Fleische.

Der Schaden entsteht durch Lebensweise und Nahrung nur unter örtlichen Verhältnissen und dürfte vielleicht an manchen Orten gau nicht in Anschlag zu bringen sein, wo die Holzgewächse an Ufern und Dämmen keineswegs angezogen werden, sondern zum nutzlosen Gestrüppe gehören, das sich selbst überlassen wird. Solche Gegenden sind aber gerade der eigentliche Aufenthalt des Bibers, der unbewohnte Gegenden liebt, wo er nicht beunruhiget wird.

Der Biber gehört zur hohen Jagd; seine Spur ist fast wie die der Fischottern; geschossen wird er auf dem Anstände und gefangen mit Sacknetzen, Eisen und Fallen, getödtet mit einem Schlag auf den Kopf.

Biber — Biberschießen.

Weidmännische Ausbrücke: Der Biber hat einen Aus- und Einsteig; fährt oder fällt ins Wasser; schneidet Stangen ab; geht seiner Nahrung nach; hat eine Burg; ranzt; bringt Junge; hat einen Balg; wird todtgeschlagen und gestreift.

Vorzüglichste Abbildungen: Wildungen's Taschenbuch, auf 1807 S. 21. Taf. 2. Döbel Jägerpraktik. Ridinger kleine Thiere, Tafel 84. Wilde Thiere, Taf. 27. Schreber's Säugethiere IV. 623. Taf. 175. (Jagd-Zoologie.)

Biber halten Wechsel und gehen in jeder Nacht aus der Fluchtröhre ins Wasser, man kann sich daher in mondhellen Nächten auf sie anstellen, jedoch unter dem Winde und verborgen, wegen der scharfen Wittrung. Man schießt den Biber auf den Kopf und im Wasser sieht man nur die Nase, oder sie werden vor den Hunden geschossen. Meistens wird beim Eisgange Jagd darauf gemacht, wo sie durch hohes Wasser aus den Röhren vertrieben werden, und sich auf Uferbäume retten. Den erlegten Biber muß ein guter Wasserhund apportiren. (Jagd.)

Biberfangen mit Stangeneisen verdient vor jeder anderen Fangart den Vorzug. Die Biber machen sich durch Schälen und Abschneiden bemerklich, und es wird dann an solchen Orten eine passende Stelle in der Nähe des Aus- und Einstieges ins Wasser gewählt, um die Eisen zu stellen. Am besten eignet sich hiezu ein Bach, der die Breite des Eisens hat, oder den man zudrückt, um ihm diese Breite zu geben. Die Eisen müssen bei der Stellung durch Pflöcke befestigt, und im Wasser gerade erhalten werden. Die Feder wird niedergetreten, die Eisen werden aufgelegt, die Aufhalter darüber gedreht, mit Stellhacken gestellt, und dann ins Wasser gelegt. Von jeder Seite, woher der Biber kommt, und die Stellhacken berührt, werden die Stangen zusammenschlagen, und ihn festhalten. (Jagd.)

Biberhund, Nebenbenennung für einen Dachshund, der besonders auf den Biber abgerichtet ist. (Weidmannssprache.)

Biberschießen, vor der Burg bei gutem Winde in einer mondhellen Nacht, indem sich der Jäger am Abend auf dem Wechsel anstellt, und abwartet, bis der Biber nach seiner Nahrung geht, welches er immer auf einerlei Wege thut. (Jagd.)

Biberschießen, beim Eisgange ist sehr gewöhnlich, wenn im Frühlinge die Seitenarme und Altwasser der Flüsse anschwellen, und der Biber aus dem Baue getrieben, auf Bäume flüchtet; von welchen man sie herabschießt, und durch einen Hund aus dem Wasser holen läßt. (Jagd.)
Biberschießen vor den Hunden weicht vom Otterschießen nicht ab, das Garn ist aber aus stärkerem Bindfaden zu fertigen, damit die Biber es nicht durchschneiden. (Jagd.)

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