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  • Kanadisches Mobilisierungsplakat 2.Weltkrieg

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  • Wappen Eno (Finnland)

Acxtelmeier: Ebenbild Der Natur 1715

Ebenbild Der Natur, In Dem Entwurff dero Gewächsen, Ungezieffern, und einigen Thieren von vermischter Arth: mit Lehr- und Sinn-reichen Sprüchen, Gedichten, Außlegungen, Sitten-Lehren, schönen Geschichten, Künsten und Artzneyen ...
Stanislaus Reinhard Acxtelmeier, Jacob Müller
Brechenmacher, Augsburg 1715 - 524 Seiten

S.280

No.2. Erscheinet ein Biber / welcher zu gleich ein Erd- und Wasser-Thier ist / bey deme viel Seltsamkeiten mögen beobachtet werden. Er gleichet in der Gestalt bey nahe einem See-Hund / ist lang und schwarz / hat sehr scharffe Zähne / deren vier vornen im Maul stehen eines klein Fingers lang / auswendig roth / und oben gescherpfft wie ein Messer / hat eine schöne edle Haut an Farbe wie ein Dachs. Je schwärzer solche / je kostbarer ist sie auch. Seine Haar sind subtieler als vom Dachs. Der Schwantz ist sehr schleimig und knösperig / wie der Schwantz von einigen Fischen ohn Gestalt und Geschmack; derowegen muß es

denselben allezeit im Wasser haben. Seine Hinter-Füß sind wie an einer Ganß zu gewachsen / zum schwimmen / die fordern als an einem Hund. Ich gebe ihm zum Sinnspruch. Serviendum tempori. Sich in die Zeit richten. Man soll Erndten / oder Schneiden / wann Zeit und Ernde ist. Im Winter braucht man die warmen Kleider und nicht im Sommer / wer nun im Sommer müssig gehen / alles verzehren und die Kleider zerreissen will / der muß im Winter Noth leiden und nackend gehen. In der Jugend soll der Mensch muthig / fleissig und arbeitsam / auch fürsichtig seyn / um dem Alter etwas zu sammlen. Wer solches nicht thun will / und sich ein Wegsteuer / Zehrung und Krucken-Geld zu schaffen versaumet / der mag nochmahls mit Kummer und Wermuth betteln gehen. Wer zu Zeit der Saat nicht säen will / wird zur Ernd-Zeit auch nichts schneiden oder sammlen können. Wer im Sommer schlummert und schlaffet / oder die Zeit nicht beobachtet / mag im Winter unter dem Schnee Ernden / oder mit den gemachten Bildern an der Wand speisen. Wo nichts ist / da kan auch nichts genommen werden. Alle Dinge haben Zeit / Weil und Statt in welchen sie sollen vollbracht werden. Es soll auch jedes Ding zu seiner Zeit an seinem von Natur bestimmten Orth gesucht werden; dann wofern die bequeme Zeit versaumet wird / so wird auch das jenige / welches in derselben geschehen soll / versaumet / daß es nach deme nicht mehr kan zu nutzen gebracht werden So bleibet er dann dabey / daß man schneiden solle / wann es die Zeit und Gut-That

der Natur gibt und Ernd ist. Der Frühling gbt Blumen / der Sommer Korn und Getreidig / der Herbst Wein und Obst / und der Winter verzehrt alles / was jene gesammlet oder gegeben haben. Wer nun im Frühling / Sommer und Herbst nicht will einsammlen und Ernden / der muß im Winter darben. Die Fürsichtigkeit erfordert ins zukünfftige zu sehen / als wann es gegenwärtig wäre / und durch Weißheit deme vorbauen und vorkommen / was künftig schaden möchte. Diese Lehr gehet so wol auf das ewige als zeitliche: daß man fürnehmlich das sammle und im Vorrath behalte / ohne welches das ewige Leben nicht erlanget wird. Wegen des zeitlichen solle man auch zeitlich den Winter bedencken / den Uberfluß und Seegen Gottes zur künfftigen Noth für sich selbsten und zu Hulft des Nächten aufheben / von deme man im Winter des Alters Nahrung, Ruhe und Erquickung haben möge. Zeit hat Ehr: zeit hat Glück und Heyl. Es helfet: Warte des Spihls / es gilt Aufsehens. Ubersehen ist auch verspihlet. Das Glück und Recht ist der Wachenden. Fleissige Hände machen reich / spricht Salomon. Joseph sammlete in den 7. fruchtbaren Jahren in Egypten so viel Korn und Geträudig / daß die siben magere und unfruchtbare Jahre er das Volck nicht allein des Königs; sondern auch die benachbarten Länder mit versehen könnte / und dem König einen unbeschreiblichen Reichthum sammlete. Dieser Fürsichtigkeit haben wir ein klares Exempel an dem Biber / welcher aus natürlichem Antrieb seine

Behausung an den Wasser-Ströhmen auf solche Weise bauet / daß / nachdeme das Wasser aufsteiget und wächset / er auch von einem Zimmer in das andere mitsteigen könne / und immer fort ein frische Wohnung finden, dann dieweilen er mit dem Vordertheil des Leibs der Lufft geniessen / und der Schwantz im Wasser liegen muß / so richtet er am Gestade des Wassers seine Wohnung also ein / daß er allezeit mit dem Vordertheil ausser dem Wasser / der hinter Theil aber im Wasser seye. Solche Wohnungen zu bauen / gehen die Biber miteinander in die Wälder / und mit ihren Zähnen hauen sie Holtz, ja solche Aeste und Bäume ab / daß man sie darüber muß verwundern / nach deme werffen sie einen von ihnen auf den Rucken / die Beine über sich gekehret für einen Wagen / legen das Holtz künstlich zwischen seine Beine / hernach ziehen sie denselben beym Schwantz biß zu dero Hölen / fressen die Rinde / aus dem Holtz aber / wie gesagt ist / machen sie künstliche Wohnungen. Der Biber lebt von Fischen / hat zwey Geilen an den Nieren / die man ihm ausschneidet / am Schatten trocknet / nachdeme sie wol gereiniget und gewaschen sind. Mit diesen Geilen geschicht offt grosser Betrug durch Verfälschung. Der lugenhafftige Plinius schreibet / diese Bibergeilen / oder Castoreum , seyen des Thiers Hoden und wisse der Biber / wann er gejagt wird / daß man ihm deswegen insbesonderheit nachstelle / derowegen reise er ihm seine Geilen selber ab / und werffe sie von sich. Dieses ist erlogen / aber dagegen ist dieses wahr / daß dieses Thier / wann es

in der eisern Schnell Falle / welche ihm die Jäger aufstellen / gefangen / und nicht um den Leib, sondern an einem Bein beklemmet wird / so beisset es das Bein ab / und macht sich mit den drey andern davon. An denjenigen welche sie zur Holtzfuhr gebrauchen / ist der Rucken gemeiniglich Haarlose. Die Jäger bekommen ihn nicht leicht zu schiessen / als in Herbst-Zeit / wann die Wasser sehr groß sind; alsdann schwimmet der Biber auf dem Wasser. Sie müssen aber ihn recht in den Kopff treffen / daß er gleich todt bleibe / sonsten schiesset er an den Grund des Wassers / und vergräbt sich in den Schlamm / daß sie ihn nicht bekommen. Wann der Biber einen Menschen mercket / oder erblicket / so thut er mit dem Schwantz einen grossen Schlag auf das Wasser / zum Schrecken. Im Sommer liegen sie bißweilen in guter Anzahl auf den kleinen Insuln an der Sonne / welchen die Russen / Pohlacken und Preussen für eine Delicatesse, wie Fisch kochen und speisen / in dem Wasser.
In der Arzney hat der Biber seine grosse Nutzbarkeit. Seine vier rothe und lange fordere Zähne denjenigen / welche mit dem Fieber behafftet sind / in den Tranck gethan / und darüber trincken lassen / minder dasselbige . Seine Geile sind von grosser Wirckung heiß am dritten / trucken am andern Grad. Das Bibergeil währet sieben Jahr unversehrt an seiner Krafft. Das innerste soll in Artzney genützet werden / und die zähe Haut verworffen.
Wer sehr phlegmatisch / und dem Schlag unterworffen ist / der solle in seinem Schnuff-Toback ein Stücklein von Bibergeil thun / so wird es das Hirn

stärcken / und vor dem Schlag bewahren. Mischet man den Bibergeil mit Rauten und Essig / und lasset solches in die Nasen / so stärcket er das Hirn und benimmet das Hauptwehe / Bibergeil mit Essig in ein Tüchlein gebunden und von den Frauen daran gerochen ist gut für das Aufsteigen der Mutter. Mit Wein getruncken dienet es für fallende Siechtagen und alle von Kälte entspringenden Unpäßlichkeiten. Wann die Zung erlahmet / durch schwären Schlag-Fluß / daß ihm die Rede entgehet / der nehme Bibergeile gepulvert / und lege solches unter die Zunge / es hilfft gewiß. Wer mit dem kalten Gicht am Leib / in Gliedern und Nerven geplagt ist / der siede Bibergeil in Wein / und schmiere die unpäßlichen Orthe damit / so wird er Besserung empfinden. Dieweilen nun der Krampff auch von Verfälschung kommet / so benimmet Bibergeil auch den Krampff. Mit Pfeffer und Honig-Wasser genützet bringet den Frauen ihre Zeit / treibet aus die todte Geburt / ist gut den lahmen erkalten Gliedern / damit geschmiert. Mit Wein getruncken vertreibet es alle Fieber / erwärmet die geschwächte / kalte / phlegmatische Natur / und ist eine Artzney wider alle Kranckheiten / die von Kälte kommen / aber was von Hitz ist / da schadet Bibergeil. Gewiß ist es / und die Erfahrung zeiget es / daß Bibergeil wider den Schlag / der aus Melancholie und all zu phlegmatischer / dicker Complexion entspriesset ein herrlich Mittel seye / derowegen kan der jenige / welcher sich deßwegen beförchtet / solches unter die Zunge legen / daß es von ihm selber

zergehe und verzehrt werde. Wider die fallende Sucht ist dieses ein herrlich Mittel. Rauten / solche backe ein wenig / thue sie in einen neuen wol verglasurten Topff / daß derselbige 3. oder 4. Querfinger darüber gehe / und die Helffte des Hafens / oder wenigstens der dritte Theil lähr bleibe. Verbleibe einen Deckel gut darauf / daß kein Dampff heraus gehen möge. Setze ihn also zu einem gantz gelinden Kohl-Feuer, damit in gelinder Kochung der Wein alle Krafft des Krauts in sich ziehe / hernach lasse alles von sich kalt werden. Wann nun solches geschehen ist / so öffne den hafen / seihe den Wein durch eine saubere Leinwath / und presse das übrige mit Gewalt heraus. In diesem Wein oder Safft / wann dessen ein halb Pfund ist / thue ein Loth des besten Bibergeils oder zwey wol gestossen / lasse sie wol vermacht wieder zusammen sieden in einem Glaß / antinotoriè mit einem andern versehen / oder zwischen zweyen reinen Häflein / hernach kalt werden / und zum Tranck Morgends und Abends ein wenig genossen. Vereiniget man die Rauten mit Salbey so wird die Artzney desto kräfftiger wider den Schlag des gantzen Leibes. Trincket man mit Wein auf solche Weise / wie gesagt worden / gekocht und Poley den Bibergeil / so bessert es die Schäden der Lungen / und Feuchtigkeit des kalten Hirns / auch das Blähen. Ein Toback daraus gemacht / stärcket und beweget er das Hirn. Es dienet auch äusserlich für das Zittern und die Glider-Lähme / damit geschmieret und gesalbet. Der Bibergeil hat eine erwärmende Krafft. Unter andern dazu dienlichen

Materien vermischet / und den Leib damit geschmieret / dienet den Wassersüchtigen. Bibergeil dienet dem schwachen Gedächtnis und den Schlafflosen / mit Essig und Rosen-Oel an die Schläfe gestrichen. In die Ohren etwas gelassen / ist auch gut wider die Taubsucht / und auch das Getöse der Ohren. Der Rauch von Bibergeil durch die Nase an sich gezogen dienet zu dem Geschmär und der Sucht der Lungen. Wider die Colic / oder das Bauch-Grimmen / das Stechen und Beissen ist er auch gut mit Essig getruncken / vertreibet auch die Weide und Aufblähungen des Leibs bringt der Frauen Zeit und treibt aus die Geburt. Bibergeil ist auch gut wider die Bisse der gifftigen Thier / und noch zu unglaublich vielen Dingen / derowegen in den Medicinalischen Recepten und Apothecken solches auf gleichsam unzehliche Weise gebraucht wird. So findet man noch andere Tugenden bey dem Plinio beschrieben / welche ich um Weitläuffigkeit zu meiden / unterlasse / und mich befridige / dem genigten Leser ein Arcanum wider die fallende Muttersucht / zum Beschluß dieser Materie / mit zutheilen und zu schencken.
rc. Specier. Anacard.3jjj. Diacast. 3?. Diapoeoniae 3jj. Cor. Lupi No.1 Syrupi ex Spinis Cervinis 3j? fiat Electuarium.
Von dieser Latwerge solle die Patientin / welche von Ausstossung der Mutter das hinfallend hat T täglich 3 Messer-Spitz voll Morgends und Abends geniessen.
Der Biber ist von der Influenz des h. ♂δD.

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