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Armand: Amerikanische Jagd- und Reiseabenteuer 1858

Friedrich Armand Strubberg: Amerikanische Jagd- und Reiseabenteuer aus meinem Leben in den westlichen Indianergebieten, J. C. Cotta, 1858 - 460 Seiten

Fredéric Armand (auch: Friedrich Armand / Friedrich August) Strubberg (* 18. März 1806 in Kassel; † 3. April 1889 in Altenhaßlau) war ein deutscher Amerikareisender und Schriftsteller.

 

Einundzwanzigstes Kapitel.

Die Biber. — Der Biberjäger Armstrong. — Zwei Grisly-Bären, — Das Maulthier an dem Abgrund. — Die Büffel in der Felsschlucht. — Der wilde Ochse. ,

Wir verließen ziemlich früh unser Lager und fanden gleich unter demselben eine Menge Zeichen von Bibern. Baumstämme von ein und einem halben Fuß im Durchmesser lagen mit einer großen Anzahl kleinerer am Ufer des Baches umher, und weit in dem lichten Holze hinunter sah man die mehrere Fuß hoch von Rinde entblößten Bäume glänzen. Iemand, dem diese Thiere und ihre Lebensweise unbekannt wären, würde sicher geglaubt haben, hier seyen neue Ansiedler thätig gewesen und haben ihren Holzvorrath für ihre ersten Bauten geschlagen. Die Späne lagen in Haufen um die abgebissenen Baumstämme herum, als ob man auf einem Zimmerplatze stände, und viele von den gefällten Bäumen waren ihrer Aeste beraubt. Diese höchst interessanten Thiere siedeln sich vorzugsweise an den kleineren Strömen und Bächen an, und zwar zählen ihre Familien im Anfang nur wenige Mitglieder. Sie wählen nun an einem solchen Wasser mit vieler Umsicht einen Platz, wo mehrere starke Bäume von weichem Holz, wie Pappeln, Aspen, Eschen, Ahorne «. zu beiden Seiten desselben stehen, gehen dann zusammen an einen solchen Stamm, stellen sich auf die Hinterfüße und folgen einander langsam um denselben herum, wobei sie große Stücke Holz mit jedem Biß von demselben abreißen, als ob sie mit einem Beil herausgehauen wären. Sie schneiden an der Seite des Baumes, welche dem Flusse zugewandt ist, mehr weg, als an der entgegengesetzten, so daß derselbe dorthin das Uebergewicht bekommt und über das Wasser hinüberfällt. So stürzen sie einen Baum nach dem andern auf dieser Stelle über den Strom hinüber und herüber, nagen dann die Aeste ab und bringen andere Stücke Holz zwischen und unter diesen Baumstämmen bis auf den Grund des Wassers, während sie die Zwischenräume noch mit Reisholz ausfüllen. Hierauf holen sie auf ihren breiten platten Schwänzen Schlamm und Erde vom Ufer und kleben damit diesen Holzdamm zu, so daß er ganz dicht wird, worauf das Wasser sich vor

demselben erhebt und zu beiden Seiten austritt, und zwar mitunter Meilen weit. In diesen durch ihre Kunst erzeugten See bauen nun die Biber ihre Wohnungen, welche in der Regel aus drei, mitunter auch aus vier Stockwerken bestehen. Dieselben sind rund und spitz wie ein Zuckerhut, haben auf dem Grunde des Wassers etwa zwanzig Fuß im Durchmesser, die Etagen sind etwas über zwei Fuß hoch und durch Fußböden geschieden, in deren Mitte sich ein rundes Loch besindet, durch welches sie in dem Hause auf und niedersteigen. Der einzige Eingang ist auf dem Grunde des Wassers und gewöhnlich ist nur die oberste Etage über dem Wasserspiegel erhaben, so daß diese immer trocken bleibt. Die Thiere führen diesen Bau mit drei Fuß langen Knuppeln auf, welche sie mit Reisholz und Erde verbinden, und machen die Wände beinahe einen Fuß dick. So bauen sie ein Stockwerk über das andere, jedes höhere in kleinerem Umfang, bis das oberste spitz zuläuft. Die inneren Räume füttern sie mit Gras und Moos aus, so daß sie ihnen und ihren Jungen im Winter einen trockenen warmen Aufenthalt gewähren. Die Weibchen werfen Ende Mai und im Juni zwei bis sechs Iunge, welche in der Colonie erzogen werden und darin bleiben; dagegen nehmen sie niemals einen fremden Biber auf, und fechten die blutigsten Kämpfe mit ihm aus, wenn sich ein solcher in ihre Niederlassung eindrängen will. In dem Maaße, wie sich die Familie vermehrt, werden dann mehr Bauten aufgeführt, und ich habe oft Ansiedelungen getroffen, wo über ein Dutzend Häuser aus dem Wasser heraussahen. Die Biber fällen aber die Bäume nicht allein, um ihre Wohnungen daraus anzufertigen, sondern auch um sich Nahrung zu verschaffen, welche in der zarten Rinde der dünneren Aeste besteht. Sie tragen diese Zweige im Herbste in Stücken geschnitten in ihre Häuser und häufen dort in den untern Räumen große Vorräthe davon an, wovon sie im Winter leben. Sie gehen zwar auch in,dieser Jahreszeit auf das Land und halten zu dem Zwecke fortwährend an den Ufern ihrer Teiche Stellen im Eise offen, und ich habe öfters ihre Fährten im Schnee gefunden; in der Regel aber halten sie sich dann in ihren Wohnungen. Wird die Familie zu zahlreich für den Raum und in Bezug auf die Nahrung in der unmittelbaren Umgebung, so wandern mehrere Mitglieder derselben aus und gründen sich in der Umgegend eine neue Residenz; oftmals zählt eine alte Biberkolonie über hundert Stück. Der Biber ist eines der vorsichtigsten und scheuesten Thiere der Schöpfung, und es ist sehr schwer, ihm auf dem Lande beizukommen und ihn mit Feuerwaffen zu erlegen, dagegen ist er außerordentlich leicht in Fallen zu fangen, und in ganz kurzer Zeit kann man auf diese Weise eine ganze Niederlassung bis auf den letzten ausrotten.

Das männliche Thier trägt in zwei Drüsen das officinelle Bibergeil, eine sehr stark riechende ölichte Feuchtigkeit, welche der Jäger in einem Fläschchen sammelt und mit etwas Cognac vermischt, theils um das Verderben derselben zu vermeiden, namentlich aber, um ihr einen andern Geruch beizubringen, wodurch der Biber veranlaßt wird zu glauben, daß derselbe einem Fremdlinge angehöre. In dieses Gläschen steckt der Iäger ein Reisholz, um dasselbe an der Spitze mit dessen Inhalte zu befeuchten, stößt dieses dann mit dem andern Ende unmittelbar in das Ufer des Biberteiches, so daß die Spitze über das Wasser reicht, wo dasselbe nicht sehr tief ist. Gerade unter dieses Reis legt er nun in das Wasser seine starke eiserne Falle, an welche er mit einem vier Fuß langen Riemen einen sehr großen Busch bindet, den er auf das Ufer wirft. Sobald nun ein Biber mit der Nase auf die Oberfläche des Teiches kommt, riecht er das Bibergeil an dem Reis, schwimmt darnach hin, um sich zu überzeugen, ob der Geruch von einem Fremden herkömmt, und indem er das Ufer ersteigt, tritt er auf die sehr leicht gestellte Falle, welche zuschlägt und sich um seine Vorderfüße klammert. Er schießt nun sofort mit derselben in die Tiefe des Wassers und kämpft wüthend mit dem ihn peinigenden Eisen, weßhalb man niemals einen so gefangenen Biber mit unbeschädigten Zähnen bekommt, bis er ermattet und um Luft zu schöpfen an die Oberfläche des Teiches zu kommen versucht. Die Falle aber hält ihn in der Tiefe zurück und der Gefangene muß in seinem Elemente ertrinken. Am andern Morgen sieht der Iäger den Busch auf dem Wasserspiegel schwimmen über dem Platze, wo der Biber liegt, und er zieht ihn an demselben nebst seiner Falle hervor. Die Biberjäger, welche diese westlichen Wildnisse besuchen, führen oft einige Dutzende solcher Fallen mit sich, so daß sie, wenn sie bei einer Colonie dieser Thiere anlangen, in kurzer Zeit dieselbe ausgerottet haben, bei welcher Gelegenheit sie zugleich die sich dort aufhaltenden Fischottern mitnehmen, welche sich in der nämlichen Weise sehr leicht fangen.

Gewöhnlich ziehen diese Jäger ganz allein hinaus in die Wildniß mit einem Pferd, welches die Fallen, einige Büffelhäute, Salz und Pulver und Blei trägt, und führen dort, mehrere hundert deutsche Meilen von der Zivilisation entfernt, zwei, auch drei Iahre ein höchst gefahrvolles, mühseliges Leben. Abends legen sie ihre Fallen und Morgens ziehen sie die gefangenen Thiere hervor, deren Häute sie vor ihrem Feuer trocknen und deren Fleisch ihnen zur Nahrung dient. Haben sie eine Gegend ausgefangen, so packen sie die Häute zusammen und verbergen sie in Höhlen, unter Felsen oder in hohlen Bäumen und ziehen mit ihren Fallen weiter. Im Winter, wo der Fang nicht ergiebig ist, bauen sie sich Hütten von Häuten, oder suchen sich eine Höhle in den Felsen, in welcher sie Schutz gegen das rauhe Klima sinden, und machen Jagd auf andere Wildgattungen , während sie ihr Pferd mit dem im Herbst gesammelten Vorrath von getrocknetem Gras, Kräutern und der Rinde einer Pappel kärglich am Leben erhalten. Nach Ablauf von mehreren Jahren, in denen ein solcher Jäger einen großen Vorrath von Häuten gesammelt hat, zieht er nach der nächsten Ansiedelung, holt sich dort Packthiere, nimmt hinreichend Leute in Dienst und zieht nach seinen Jagdrevieren, um den Erwerb seiner mehrjährigen Arbeit zu Markte zu bringen. Es ist nicht seilen, daß ein solcher Jäger in einigen Iahren zwanzig bis dreißigtausend Thaler für die in dieser Zeit gesammelten Felle bekommt, noch viel weniger selten ist es aber, daß er seine Unternehmung mit seinem Scalp und seinem Leben bezahlt. Die Indianer selbst machen keine Jagd auf die Biber, sie betrachten aber die Biberjäger als die Vorboten der Weißen, welche mehr und mehr in ihre Jagdreviere einrücken und ihnen ein Stück Land nach dem anderen entreißen, wodurch sie täglich weiter zurückgedrängt, werden und immer mehr unter sich in feindliche Berührung kommen. Deßhalb sind die Biberjäger von allen Indianern gehaßt und werden von ihnen verfolgt, wo sie sich blicken lassen. Nur die große Verborgenheit und Unwegsamkeit der Gegenden, wo sie ihre Jagden machen, und die große Vorsicht, mit welcher sie ihren Aufenthalt vor den Blicken der Indianer zu verbergen wissen, macht es ihnen oft möglich, Jahre lang dieses Leben zn führen und die Wilden fortwährend zu täuschen und irre zu leiten, wenn sie zufällig Kenntniß von ihrer Gegenwart bekommen. Es ist unglaublich, welchen Scharfsinn und welche Gewandtheit solche eiserne Charaktere entwickeln, und man muß sich wundern, daß nur ein Einziger dieser Abenteuerer jemals seine Heimath wiedersieht. Ganze Nächte hindurch habe ich bei dem kleinen Kohlenfeuer dieser Leute gelegen und ihren Erzählungen gelauscht, wie sie von frühester Jugend sich mit diesem Leben vertraut gemacht und dasselbe auch mit grauen Haaren immer wieder aufsuchten, obgleich sie von ihrem Vermögen in der civilisirten Welt hätten in Ueberfluß leben können. Wie der Seefahrer auf dem Wasser stirbt, so wird die Wildniß diesem Jäger zum Element, und selten schließt er seine Augen anders, als dort, und mit der Büchse im Arm.

Die Zeichen von Biberkolonien, die wir bemerkten, waren so frisch und so zahlreich, daß hier wahrscheinlich noch niemand mit Fallen erschienen war; der Bach breitete sich weit über seine Ufer aus und bildete einen sehr großen Teich, aus dessen Oberfläche eine Menge Häuser hervorsahen; aber von den geheimnißvollen Bewohnern dieser Ansiedlung war nichts zu erblicken. Wir mußten dicht unter der Bergwand zu unserer Rechten hinreiten, wo unsere Thiere doch noch bis an die Knie im Wasser gingen, um die Ueberschwemmung zu passiren, während unterhalb der verschiedenen Dämme der Bach wieder in seinen schmalen Ufern fortrollte.

Wir erreichten den Canadienfluß, da er aber von hier aus entschieden die Richtung nach Osten nahm, so benutzten wir die erste Gelegenheit, um die ihn begrenzenden Berge zu übersteigen und unserem Cours uach Norden zu folgen. An der andern Seite derselben, wo wir gegen Mittag anlangten, kamen wir abermals an ein kleines Wasser, an dessen Ufer wir schon von den Höhen aus eine Menge geschälter Bäume erblickten und auch hier eine Niederlassung von Bibern fanden. Wir durchritten den Bach und hatten ihn wohl schon eine Viertelstunde hinter uns, indem wir an einer schlecht bewaldeten, mit großen Steinblöcken überdeckten, nicht steilen, Bergwand hinaufzogen, als wir plötzlich eine menschliche Stimme hinter uns erschallen hörten und einen Mann erblickten, welcher sich hoch auf ein frei liegendes Felsstück gestellt hatte und uns winkte. Tiger sagte mir, es sey ein Biberjäger; wir wandten unsere

Pferde und ritten zurück, um diesem Sohne der Wildniß guten Tag zu sagen und zu hören, womit wir ihm vielleicht dienen könnten. Als wir näher kamen, verschwand die lange dunkle Gestalt vom Felsen, und aus dem Dickicht zu unserer Linken schritt ein Mann mit einer langen Büchse in der Hand hervor und mit der Frage: „weerett from?" (woher?) auf uns zu. Er war über sechs Fuß hoch, schlank, aber nervig, mit ungewöhnlich breiten Schultern, dunklem, verwittertem Gesicht und Hals, langem, schon stark gebleichtem Barte, und einer kräftig stolzen Haltung; seine kleinen hellblauen Augen blitzten unter den noch kohlschwarzen dichten Brauen sehr entschlossen hervor, während ein freundliches Lächeln den Eindruck milderte, den ohne dieses sein Blick auf den Fremden wohl hätte machen können. Sein Aeußeres verrieth auf den ersten Blick, daß er viel in seinem Leben ertragen, daß er schon oft dem Schicksal getrotzt hatte, und daß ihm nicht leicht etwas begegnen mochte, was ihn aus der Fassung bringen oder in seiner Entschlossenheit wanken machen konnte. Ein paar hirschlederne anschließende Beinkleider, ein paar Schuhe aus dem nämlichen Material und eine eben solche Jacke war sein Anzug und ein scharlachrothes, wollenes, offenstehendes Hemd ließ die braun gebrannte Brust sehen. Eine Mütze von Biberfell zeigte, daß sie vom Inhaber selbst angefertigt war und ebenso» sah die kleine Iagdtasche aus, die über seiner Schulter hing.

Ich ritt auf den Fremden zu und antwortete ihm: „Von der Leone am Rio Grande;" zugleich wandte ich mein Pferd und reichte ihm meine Hand hin, die er mit seiner sehnigen Fanst schüttelte. „Sie sind Biberjäger? und woher?" fragte ich ihn. „Von Missouri, mein Name, Ben Armstrong, ist seit vierzig Iahren in den Felsengebirgen bekannt, und jetzt bin ich wieder seit einem Iahre aus den alten Staaten zurück." Er lud uns ein, mit nach seinem Lager zu gehen und die Nacht bei ihm zuzubringen, da er sich sehr darnach sehne, von den Ereignissen in den alten Staaten zu hören. Wir nahmen seine Einladung au und folgten ihm auf einem schmalen Pfade durch das Gehölz und Gestein, bis einige hundert Schritte oberhalb des Teiches, wo wir vor einem dichten Gestrüpp abstiegen und unserem Wirthe durch dasselbe folgten. Wir traten auf einen lichten Platz, von welchem die Art die Büsche entfernt hatte und an......

 

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