Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

  • Middleton: Beaver Hunting in Canada 1777

  • Conrad Gesner Historiæ Animalium 1558

  • Kanadisches Mobilisierungsplakat 2.Weltkrieg

  • Briefmarke Polen Biber 1,25 Zloty

  • Wappen Eno (Finnland)

Werber: Lehrbuch der speciellen Heilmittellehre 1868

Lehrbuch der speciellen Heilmittellehre für Vorlesungen und zum Selbststudium, Wilhelm Joseph Anton Werber, ordentlicher Professor der Medicin, Direktor der poliklinischen Anstalt an der Universität Freiburg, Erlangen, Verlag von Ferdinand Enke, 1868 - 415 Seiten

Kapitel Flüchtige thierische Mittel


Castoreum, Bibergeil

Man unterscheidet 3 Sorten: 1) Castoreum canadense, (C. americanum, C. anglicum). Vom Castor americanas Cuvier, Nordamerika, frisch, weich und gelb, im trocknen Zustand dunkelger und schwarz, hart, zerreiblich, Harzglanz; eigenthümlicher durchdringender Geruch, bitter gewürzhafter Geschmack, in Weingeist fast ganz löslich, die geringste Sorte.

2) Castoreum moscoviticum (C. sibirieum, C. russicum, C. polonium), russisches und polnischen (Castoreum, von Castor fiber L. Russland, Polen. In verschiedenem Consistenzzustand, weich, zäh, hart, zerreiblich; verschiedenfarbig röthlich gelb bis dunkelbraun; durchdringender Geruch, stärker als der des vorigen, Geschmack gewürzhaft bitter` lang nachhaltig im Schlunde, theilweise löslich in Weingeist, Bestandtheile: âther. Oel, Harz, Carbolsäure, Castorin, Веnzolsäure, Cholesterin, Salicin etc.

3) Castoreum bavaricum; bayrischer Bibergeil, das feinste, aber seltenste und theuerste.

Das Bibergeil hat sein anat. Wirkungsgebietim Gangliensystem und in den untern Parthieen des Rückenmarks, wie der Ваum im Cerebrospinalsystem; es beschränkt sich hauptsächlich auf die Unterleibssorgane und am entschiedensten auf die Beckenorgane, die Uterusgeflechte.

Wirkungsweise. Erhöhte Reizbarkeit der sensibeln und motorischen Nerven und verminderte Energie der Arterien besonders in dortiger Region sprechen wesentlich für den Gebrauch des Bibergeils; entschiedener noch Krampf der automatischen Muskeln und Gefässe, Zuckungen der willkührlichen Muskeln, mangelhafte Blutausscheidung aus der Gebärmutter kühle, trockne, weiche Haut, wasserheller Harn, kleiner, weicher, schneller, seltener Puls. Solche Zustände kommen vorzugsweise bei Hysterischen und Schwangeren, mitunter auch bei Hypochondern vor.

Anwendung. Man wendet das Bibergeil an bei hysterischen Schmerzen und Krämpfen, bei mangelhafter und sonst anomaler Меnstruation, bei drohendem Abortus, bei Wehenschwäche und schmerzund krampfhaften Nachwehen. Die Hauptformen hochgesteigerter und verstimmter Nervenreizbarkeit sind Gebärmutter- und Blasenkrämpfe, Krämpfe der Gedärme und des Magens, des Herzens, des Halses etc. Auch bei typhösen und adynamischen Fiebern dient Castoreum neben Moschus, Opium, Haschisch zur Beruhigung von Hirn- und allgemeiner Nervenaufregung, bei Schlaflosigkeit, Unruhe, Aengstlichkeit etc. Das Riechen am Bibergeil in Substanz oder Aether hebt manchmal schon Empfindlichkeit der Nerven.

Man reicht 1-10 Gran öfters in schweren Fällen, meist in Form von Pulver, Pillen, Latwerg, Bissen, Emulsion; auch in Tropfen als Tinctura Castorei zu 5-20 Tropfen; man sollte nur das Castoreum Sibiricum verordnen, so theuer es ist.

Digitale Ausgabe bei Google Books