Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

  • Middleton: Beaver Hunting in Canada 1777

  • Conrad Gesner Historiæ Animalium 1558

  • Kanadisches Mobilisierungsplakat 2.Weltkrieg

  • Briefmarke Polen Biber 1,25 Zloty

  • Wappen Eno (Finnland)

Jacob Christian Bie: Der Biber 1792

Kategorie: Fabeln

Audio gesprochen von Angela Wiesenfarth

In: Bie, Jacob Christian:Sarkasmen, Adrianopel [i.e. Altona] 1792
Jacob Christian Bie (auch bekannt unter dem Pseudony Philopatreias) 1738-1798, war ein norwegisch-dänischer Schriftsteller.

Seite 24f

Der Biber

Eine Erzälung

In Daphnens Hayn war der Biber unter den übrigen Thieren das geachteste, nicht so raubgierig und grausam, wie sie, sondern von milderer und sanfterer

Natur. Er stolzierte nicht darauf, daß er vom hohen königlichen Blute des Löwens herstamte. Und wenn die Meerkazze, der Luchs und der Fuchs ebenso stolz als prachtvoll einhertrabten, so zeigte sich unser Biber gegen Jedermann freundlich, aufgewekt und gefällig. Einst wurde es unter den angesehenern Thieren des Waldes Sitte, sich zu vermummen, um desto sicherer die schwächern zu überrumpeln. Unser Biber, dessen ganzes Betragen ungezwungen und gerade, folgte der Sitte nicht. Alle guten Thiere liebten ihn, er lebte in Frieden und Ruhe, ob er gleich, wenn es darauf ankam, ein Löwenherz hatte. Seine Bildung war reizend, sein ganzes Wesen einnehmend; er war muthig, ohne aufgeblasen; erhaben, ohne verachtend. Als die größte Zierde des ganzen Hayns, und von allen geliebt, wetteiferte selbst Philomele, ihn durch ihre holde Kehle zu erheben. Aber eben dieses erwekte ihm Neider am Hofe des Löwens. Ein Affe, welcher im Walde überall die Harlequinade zu spielen pflegte, um etwas zu verdienen, wurde angehezt, eine Klage wieder ihn einzugeben, dessen eigentlicher Inhalt ein Geheimnis geblieben. Ausser den auf ihn geworfenen Haß, geben wohl einige zur Ursache an, daß er einmal eine Blume gepflükt, die doch zum riechen nur geschaffen; dem sei nun, wie ihm wolle, er ward verurtheilt, den Hayn der Daphne

zu fliehen. Bei diesem aus Neid gefälltem Urtheil entrüstete sich Asträa , und die holde Flora schnob Rache; wenn ein Thier zum andern kam, gab dieser Verlust den Stoff, und selbst Philomele schwieg trauernd. Das allgemeine Murren kam den Silvan zu Ohren; und als er die Ursache vernahm, gab er verwundernd zu erkennen: sollte man nicht fast denken, als wenn mein Gebieth zur Menschenwohnung umgeschaffen, wo das Recht so ganz mit Füßen getreten wird?

So geht's, wenn man ungebunden leben will, und doch vor der ganzen Welt seine Blöße verräth; die Doppelzunge, welche in ihrem Busen eine Schlange hegt, und sich alle Laster zu gute hält, beurtheilt immer fremde Fehler nach dem Vergrößerungsglase.

Digitale Ausgabe bei der Universitätsbibliothek Göttingen

Begriffserklärungen (Wikipedia):
Daphne
Philomele
Asträa
Silvan