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Ausführliche Naturgeschichte des Thier-, Pflanzen- und Mineralreichs 1837

Kategorie: Literaturzitate

Ausführliche Naturgeschichte des Thier-, Pflanzen- und Mineralreichs, Samuel Schilling, H. Richter, 1837

Peter Samuel Schilling (* 10. April 1773 in Juliusburg; † 15. Dezember 1852 in Breslau) war ein deutscher Entomologe.

Erste Horde der Nager
Sie gebrauchen die Vorderfüße fast wie Hände.

Erste Sippschaft
Biber (Castor).
Die Sippschaft der Biber unterscheidet sich von allen übrigen Nagern durch ihren platten, schuppigten Schwanz. Sie haben 5 Zehen an jedem Fuße; die Zehen der Hinterfüße sind durch Schwimmhaut vereinigt. Ihre Backenzähne, 4 beiderseits, sowohl oben, als unten, haben platte Kronen.

Der gemeine Biber (Castor Fiber).
(Tafel 28, Fig 1.a. der Biber b. der Hinterftuß desselben).
Schwanz wagrecht (horizontal) abgeplattet, von fast ovaler Gestalt; mit Schuppen bedeckt. Farbe rothbraun. Länge des Körpers 2 1/2 bis 2 3/4 Fuß. Vaterland Nordamerika, Europa und Asien.
Der Biber gehört, nebst dem weiter unten zu beschreibenden Flußschweine, zu den größten Thieren aus der Ordnung der Nager. Er hat die Größe eines Schaafes und wiegt 60 bis 80 Pfund. Die Haare des Bibers sind von zweierlei Farbe; das Wollhaar ist kurz, sehr weich und seidenartig, dunkel braungrau; das Glanzhaar rothbraun, fein, glänzend. Der Pelz einfarbig rothbraun, unten etwas Heller. Die Farbe bleibt sich jedoch nicht bei allen Bibern gleich, sondern wechselt nach Alter, Jahreszeit und Aufenthalt. Da diese Thiene vorzüglich von Rinde der Bäume und andern harten Pflanzenstoffen leben, so sind ihre Schneidezähne sehr stark und wachsen bald aus ihrer Wurzel wieder nach, wenn sie sich abnutzen. Auch bedienen sie sich derselben, um die zu ihrem Baue nöthigen Baumstämme zu durchnagen.
Unter allen Säugthieren zeigt der Biber den größten Kunsttrieb bei dem Baue seiner Wohnungen, wenn er ungestört in Gesellschaft daran arbeiten kann, wie dies der Fall in den am wenigsten bevölkerten Gegenden von Nördamerika ist. Nach übereinstimmenden Berichten der Reisenden, welche jene Gegenden besucht haben, weiß man folgendes von der Naturgeschichte des Bibers.
Um die Zeit des Brachmonats versammeln sich die Biber in Gesellschchaften von drei bis vierhundert an den Ufern der Seen und Flüsse. Wenn sie ihren Bau auf einem Flusse anlegen wollen, so ist ihre erste Sorge, eine Vorrichtung zu treffen, um das Steigen und Fallen der Wasserfläche zu verhindern, und dieselbe immer in einerlei Höhe zu erhalten. Dieses erlangen sie durch dieselben Mittel, wie die Menschen es thun würden, nämlich durch Dämme und Schleußen. Ein solcher Damm ist bisweilen ein ungeheures Werk für ein Thier, welches keine andern Werkzeuge zu dieser Arbeit hat, als vier starke Schneidezähne, vier Füße und einen breiten, schuppigen Schwanz.
Die Art des Baues ist folgende: vermittelst ihrer starken Schneidezähne fällen sie etwa schenkeldicke Bäume, nagen davon Pfähle von 4 bis 6 Fuß Länge, schleppen sie ins Wasser, flößen sie an den Ort hin, wo sie ihren Bau beginnen'wollen, stoßen sie dicht neben einander mit einem Ende in den Grund, -und flechten Zweige dazwischen; solchergestalt errichten sie mehrere Reihen von Pfählen. Den Zwischenraum füllen sie mit Sand und Lehm aus, welchen sie mit ihrem schaufelartigen Schwänze dicht zusammenschlagen. Oben auf dem Damme lassen sie drei bis vier Einschnitte, damit das Wasser, wenn es die verlangte Höhe erreicht hat, frei durchströmen könne. Sobald der Damm, als das Hauptwerk des geselligen Vereins fertig ist, theilt sich der ganze Haufen in mehrere kleine Gesellschaften, deren jede sich einen gelegen Platz aussucht, um eine bequeme Wohnung an dem Damme zu bauen. Diese Wohnung ist eine Art Hütte, ein kleines rundliches Häuschen, das auf besonders errichteten Pfählen steht, und zwei Stockwerke enthält. Das obere Stockwerk ist über der Wasserfläche im Trocknen, und dient zum gewöhnlichen Aufenthalte der Thiere; das untere ist im Wasser, und dient zur Aufbewahrung der Rinde und Zweige, welche sie als ihre Nahrungsmittel einsammeln. Nur das untere Stockwerk hat eine Oeffnung, und die Thüre öffnet sich unter dem Wasser; ohne eine Gemeinschaft mit dem Lande. Die Biber haben außerdem noch verschiedene Höhlen, langst dem Ufer hin, worein sie sich flüchten, wenn sie in ihren Hütten beunruhigt werden. In den kleineren von diesen Hütten wohnen 2 bis 3, in den größeren 6 bis 8 Familien. Den Damm bessern die Biber jedes Jahr aus, und da die Pfähle nebst den dazwischen geflochtenen Zweigen Knospen treiben und grünen, so wird aus dem Damme endlich ein lebendiges Gehege oder Strauchwerk. Sie wählen hinreichend tiefes Wasser, welches nicht bis auf den Grund gefriert, und wenn sie Gelegenheit finden, strömendes Wasser, damit, wenn sie weiter oben Holz fällen, der Strom es hinabführt, wohin sie es haben wollen.
Wenn die Biber ihren Bau auf einem See anlegen wollen, so machen sie vorher keinen Damm, weil der Wasserstand des Sees ohnehin das ganze Jahr hindurch ziemlich gleiche Höhe behält. Man fand 400 Biber in einer Reihe solcher Häuschen, die alle durch Gänge unter dem Wasser miteinander in Verbindung standen, und ein völliges Dorf bildeten. Ihr Bau dient ihnen aber nur für den Winter; den Sommer über zerstreuen sie sich in die Waldungen und leben jeder für sich. Im Herbste denken sie an den Wintervorrath. Sie schneiden in dieser Absicht Holz, 5 bis 10 Fuß lang, ab, schieben die Stücke ins Wasser, und verbinden sie durch Flechtwerk zu einer Art Flöße oder Mardätsche; auf diese legen sie kleinere Stücke oder Stämmchen mit Rinde; dann treiben sie die Flößen, indem sie nebenbei schwimmen, nach ihren Wohnungen hin, laden ab und bringen die Stämmchen mit Rinde in das untere Stockwerk, um nach Belieben im Winter davon zehren zu können. Dann fahren sie mit den Flößen,wieder fort, um sie aufs neue an gelegmem Orte zu befrachten.
So die amerikanischen Biber. Ehedem gab es auch in Europa viele solche Thiere, welche gleichen Kunsttrieb zeigten, und ähnlichen Bau anlegten. Aber durch die Verfolgungen der Menschen sind diese Thiere in unserm Erdtheile so selten geworden, daß hier und dort nur noch einzelne anzutreffen sind, die also auch keinen ochentlichen Bau anlegen, sondern sich Höhlen an den Ufern der Flüsse graben, die sie jedoch durch eine Art von Pfahlwerk und durch Weidenstöcke gegen das Zusammenstürzen sichern.
Der Pelz der amerikanischen Biber ist gewöhnlich röthlichbraun; der europäischen aber gclblichgrau. Die Biberfelle gehören zu dem kostbarsten Pelzwerke. Es gab Jahre, in denen allein die Bewohner an der Hudsonsbay gegen 50,000 Felle lieferten; jedes Fell im Durchschnitt zu 20 Thalern gerechnet und die Geilen zu 4 Thalern.
Der Biber hat nämlich an dem After eine Art Beutel, worin sich aus besondern Drüsen eine schmierige Substanz sammelt (Castoreum), die unter dem Namen Bibergeil bekannt ist. Ausgetrocknet sieht dieses Bibergeil rothbraun aus, ist von bitterem Geschmack und heftigem, widrigem Gerüche. Es wird in der Medizin, als einem krampfstillenden Mittel, davon Gebrauch gemacht. Das Fleisch des Bibers wird gegessen und dient auch als Fastenspeise; der Schwanz desselben wird als Leckerbissen theuer bezahlt.
Der Biber ist von sanfter Gemüthsart; er kann jung leicht gezähmt werden, und gewöhnt sich in der Gefangenschaft an allerlei Kost. Seine Stimme, wenn er unruhig ist, besteht in einem dumpfen Geschrei oder Gewinsel, welches zuweilen in eine Art von Gebell übergeht.
Friedrich Cuvier in Paris macht über die Lebensart einiger zahmer Biber folgende Bemerkungen: Man nährte die gefangenen Biber besonders mit Weidenzweigen, von welchen sie die Rinde genossen; sobald die Zweige geschält waren, zerbissen sie dieselben in kleine Stücke, und häuften, sie am Gitter ihres Behälters auf. Cuvier glaubte, darin ihren Trieb zum Bauen zu bemerken, und ließ ihnen daher Erde, Stroh und Baumäste geben. Den folgenden Tag waren alle diese Materialien an dem Gitter so angehäuft, daß sie dasselbe zum Theil verschlossen. Da sie am Tage nicht arbeiteten, so wurden sie des Nachts durch angebrachte Oeffnungen beobachtet. Als man ihnen neue Materialien hinzugefügt hatte, so suchten sie zuerst alle Oeffnungen zu verbauen, durch welche Luft und Licht eindringen konnte. Sie bildeten mit ihren Vorderfüßen, aus der Erde und dem Stroh kleine runde Massen, trugen sie nach einem bestimmten Orte hin, und drückten alles zusammen, woraus eine ziemlich feste Wand entstand. Einigemal bemerkte Cuvier, daß einer der Biber einen Stock queer in das Maul nahm, um ihn mit Kraft in die gemachte Wand einzudrücken. — Sie konnten Stöcke und Reiser mit einer Pfote fassen, und die kleinsten Dinge ergreifen. Wenn ihnen die Stöcke zu lang waren, bissen sie dieselben sogleich durch. Sie fraßen immer im Wasser sitzend. — Den Tag über schliefen sie fast immer und nur des Nachts arbeiteten sie.

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