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Preussische Provinzial-Blätter, Band 16 1836

Kategorie: Literaturzitate

Vaterländisches Archiv für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Agrikultur:
Oder Preussische Provinzial-Blätter, Band 16 (Google eBook)
Herausgegeben von D.W:L. Richter, Königl.Preuß.Kriminalrath, Königsberg., 1836

Seite 160

VI. Ueber die Zeit des Verschwindens der Biber (Castor Fiber) in Preußen. Vorgetragen in der Königl. physikalisch-ökonomischen Gesellschaft den10. Juni 1836 von J. G. Bujack.

Der Biber hat seinen Gattungsnamen " castor" wahrscheinlich von " castrare" aber schwerlich, wie Isidorus meint, weil er bei der Verfolgung von den Jägern, um sich ihrer zu entledigen und sein Leben zu retten, sich selbst castrirt, sondern wohl richtiger nach Albertus Magnus davon, weil ihn die Menschen castriren, d. h. ihm die fälschlich für Hoden gehaltenen Bibergeilsäcke ausschneiden; denn das erstere ist, wie schon dieser Schriftsteller bemerkt hat, eben so irrig, als daß der Biber nach der Castration bei abermaliger Verfolgung sich aufrichte und die Jäger durch den Augenschein zu überzeugen suche, daß ihm das Castoreum fehle.

Mit einer weitläufigen Auseinandersetzung der vermeintlichen Zwecke des Castoreums für das Thier will ich Sie, meine Herren, hier nicht langweilen, ich deute nur an, daß man bald das Thier zur Erregung des Appetits davon lecken ließ; bald sollte es im Winter sich davon nähren, bald sich damit einölen, um das Eindringen des Wassers in den Körper zu verhüten; bald sollte es zur gegenseitigen Anlockung der Geschlechter dienen, und wie die wunderlichen Hypothesen weiter heißen mögen. Eben so wenig kann ich hier eine Schilderung der Kunstbaue des Bibers entwerfen, die schon längst selbst an vaterländischen Schriftstellern, an Gottwald und Helwing, gute Darsteller gefunden haben; auch werde ich nicht eingehen auf eine Vergleichung des Europäischen Bibers mit dem Amerikanischen, und des Moscovitischen Bibergeiles mit dem Amerikanischen: nur ein Moment hebe ich mit Ihrer gütigen Erlaubniß heraus, die Verbreitung dieses sonst vaterländischen Thieres, wobei ich nachzuweisen gedenke. daß die Biber etwa seit einem Jahrhundert hier zu Lande sich sehr vermindert und seit dem Anfange dieses Jahrhunderts sich ganz verloren haben, da häufige Nachstellungen, ununterbrochene Störungen der Gewässer durch Schiffen und Flössen und Ausrodung der Uferländereien ihnen feindlich entgegentraten.

Die Verminderung und das völlige Verschwinden wäre vielleicht schon weit früher bei zunehmender Landeskultur eingetreten, hätten nicht die Landesherren schon seit dem 13. Jahrhundert ihre Aufmerksamkeit und Sorgfalt ihnen zugewendet, woraus hinreichend hervorzugehen scheint, daß sie bei der Ankunft des Deutschen Ordens hier in Preußen nicht eben sehr zahlreich gewesen sein können. Die Eulmsche Handfeste, diese erste magna Charta der Rechte und Freiheiten der ersten Ansiedler in Preußen, ertheilt 1232 vom ersten Landmeister in Preußen, Hermann v. Balk, im Namen des abwesenden Großmeisters des Deutschen Ordens, Hermann Salza, besagt nach den Worten des Grundtextes ausdrücklich:

„Der Stadt Thorn wollen wir diesen Strom in der Länge und an den Gränzen des Bischofs von Cujavien abwärts bis eine Meile und landwärts in die Breite auf beiden Seiten von der Weichsel eine halbe Meile mit allen Nutzungen, ausgenommen die Inseln und Biber, zu gemeinschaftlichen Gebrauche der Bürger und Fremden anweisen " *).

Diese Bestimmung wird Norm für alle spätern Verträge und Schenkungen. Der Biber ist und bleibt ein Regal, und seine Schonung ward besonders durch
folgendes Patent vom 16. August 1706 nachdrücklich eingeschärft:

„Wir Friedrich, von Gottes Gnaden König in Preußen,

fügen hiemit Jedermänniglich zu wissen. Weile die Biebergeyle wie bekandt, eine sonderbahre Artzney, und sehr heilsames Mittel wider viele Krankheiten ist, und Wir demnach mittelst Unserer eigenhändigen allergnädigsten Verordnung de dato Cölln an der Spree den 16.Aprilis dieses lauffenden Jahres, anbefohlen haben, daß über die Conservation der Bieber gehalten und derselben Vermehrung nach Möglichkeit befördert wissen wollen; Als verordnen Wir hiemit allergnädigst und zugleich ernstlich, daß auf Unserm Grund und Boden die Biebern-Bau-Häuser in Seen, Teichen, wäßrigen Brächern, Ausrissen an Ströhmen und Thämmen in Fliessern, keinesweges zerrissen, vielweniger Eisen geleget, Fischer-Säck oder andere Garn in der Nähe gestellet, noch das Gesträuch weggehauen, zu dem Ende auch auff den Ströhmen und Wässern darnach nicht gefahren, vielweniger darnach geschossen werden solle. Befehlen auch Unsern Beambten und andern Bedienten, insonderheit aber Unsern Forstbedienten, ihren Pflichten gemeeß fleißige Obacht darob zu haben, und die Ruinirung der Bieber-Bau-Häuser wie auch die Schiessung der Bieber nach Möglichkeit zu verhüten, sich auch dessen selbsten zu enthalten; allermassen diejenigen, welche diesem Unserm Verbott frewentlich contraveniren würden, vor jedes Stück der ruinirten oder geschossenen Bieber, laut in der Jagdt-Ordnung befindlichen Taxe, jedesmahl Zehen Fl. Ungr. ohnfehlbahr zu erlegen sofort mit der Execution angehalten werden sollen. Gegeben Königsberg, den 16. Augusti 1706." Folgen die Unterschriften.

Nicht nur das Fell und das Castoreum machte den Biber zum Gegenstand einer besondern Fürsorge der Landesregierung, auch sein Schwanz erschien nicht selten in früherer Zeit auf den Tafeln der Vornehmen als Delikatesse. Unter den Geschenken, mit welchen die Hochmeister auf ihren Reisen durch das Land von ihren getreuen Unterthanen auf wahrhaft rührende Art erfreut wurden, paradiren auch Biberschwänze. Unser gelehrter vaterländischer Geschichtschreiber, Herr Prof. Voigt, führt bei solcher Gelegenheit auch einen Greis auf, „ der den Meister mit einem Biberzagel ehrete." Selbst hier in Königsberg sind Biberschwänze nicht selten auf vornehmen Tafeln erschienen. Ich darf nur daran erinnern, daß bei der Anwesenheit des Königes von Polen Stanislaus in unserer Stadt 1734, ein Biberschwanz mit einem auch wohl mit zwei Dukaten bezahlt wurde.—

Die Verbreitung der Biber anlangend, geht schon aus der angeführten Stelle der Culmer Handfeste zur Genüge hervor, daß die Biber an der Weichsel gelebt haben, aber der ehemalige bedeutende Biberfang bei Thorn hat leider ganz aufgehört, und schon vor 50 Jahren wurde ein Biberbau an der zwischen beiden Weichselbrücken gelegenen Insel Bazar als große Seltenheit bewundert. Zwar ist laut den Akten der Königl. Oberpräsidial-Registratur und des Thorner Wohllöblichen Stadtmagistrats, deren Einsicht mir Se. Excellenz der Herr Oberpräsident v. Schön zu gestatten die Gnade gehabt hat, in den letzten Tagen des April 1826 oberhalb der Stadt Thorn, unweit der Polnischen Gränze, in einer mit Kämpen und Strauch bewachsenen Ufergegend ein Biber geschossen, von dem erwähnten Magistrat angekauft, und wohl ausgestopft dem Königl. Oberpräsidium für das hiesige zoologische Museum aus patriotischem Sinne zugesendet worden; aber der in Rede stehende Biber war nur ein Ueberläufer aus Polen, um so mehr, da man seit 40 Jahren in den dortigen Gewässern Biber nicht mehr verspürt hatte, und noch gegenwärtig sich viele Biber am Bug und Narew vorfinden. Unerwähnt darf ich es nicht lassen, daß früherhin auch an andern Nebenflüssen der Weichsel, namentlich am Schwarzwasser, Ossa, Drewenz. sich Biber angesiedelt hakten, ja daß Gottwald sogar von den Fischern der Insel Neringen (der Frischen Nerung) Biber bekam. In seinem Beitrag zur Kenntniß des Drewenz-Flusses sagt Herr Regierungsrath Wutzke: „Unterhalb Neumark am rechten Ufer ist eine große Wiese, welche durch die am Ufer früher vorhandenen Biber in Gänge nach allen Richtungen unterminirt war; oft fand man die am Rande der Wiesen stehenden 1 1/2 Zoll im Durchmesser starken Erlen des Morgens wie mit einer Säge abgeschnitten, die Stämme selbst in mehre Enden zerlegt und zu ihrem Bau angewandt." (Kunde Preußens IV. S.427.) Diese Beobachtung datirt sich vom Jahr 1796.

In einigen Gegenden des Oberlandes gab es noch bis in die Mitte des vorigen, in andern bis zu Anfang dieses Jahrhunderts Biber. Jenes erhellet aus einem auf unserm geheimen Archive befindlichen Aktenstücke, dessen Mittheilung ich der ehrenwerthen Liberalität seines würdigen Direktors verdanke. Es ist eine Eingabe des Majors Herrn Friedrich Ludwig Burggrafen und Grafen zu Dohna, de dato Reichertswalde d... Mai 1750, an die hiesige Königl. Regierung. In derselben meldet er, „daß der Hirt Klein aus seinem zu den Sassischen Gütern gehörigen Vorwerk Klocken am Himmelfahrtstage den 7 Mai 1750 per Fatalität einen Biber in dem Walde angetroffen und todt gemacht, und bittet diesen Vorfall dem Hirten für keine Contravention anzurechnen, da kein dolus, ja nicht einmal culpa lata versiret, indem der Hirt, seinem Vorgeben nach, Zeitlebens keinen Biber gesehn, auch nicht einmal davon, am wenigsten aber, daß ein solches Thier zu tödten verboten, jemalen sprechen gehört." Hierauf ging auch die Königl. Regierung ein, und erklärte in einem Erlaß vom 24-Juni 1750: „daß der Vorfall für keine eigentliche Contravention der Königl. Verordnungen angesehen worden, gestalt auch erwähnter Hirte Klein aus solchen Umständen mit aller Bestrafung billig

verschonet bleibet, die an den Grafen v. Dohna abgegebne Geile und das Fell des Bibers aber müsse an nächsten Förster sofort abgeliefert werden." —

Schon waren diese Zeilen niedergeschrieben, als ich von einem noch viel spätern Vorhandensein der Biber in einem andern Theile des Oberlandes Kunde erhielt. Der Landbaumeister Herr Le Juge theilte mir diesen Tagen mit, er habe 1800 bei Liebemühl am und im Rettlow-See zwei Biberbaue gesehn, deren einer von den Bibern noch nicht verlassen war; auch war damals, laut Angabe des Orts-Hegemeisters Preschack und anderer glaubwürdiger Personen daselbst, ein Biber-Paar noch dort vorhanden. Ueberdies führt das Dorf Biberswalde in dortiger Gegend, durch dessen Feldmarken die an ihren Ufern mit Holz bestandene zur Drewenz fließende Liebe geht, nach der Volkssage seinen Namen von den Bibern, und es darf daher wohl mit einigem Grunde auf ein einstmaliges zahlreiches Vorkommen der Biber in jener Gegend geschlossen werden, zumal die Liebe mit ihren Ufern zum Theil jetzt noch zur Ansiedlung der Biber sich eignet.

Aber nicht blos im Deutschen, sondern auch im Polnischen Oberlande, im alten Galindien, hat es nicht an Bibern gefehlt. Diese Thatsache resultirt aus einer Erbverschreibung der Beuthner aus Kutzburg und Willenberg sine dato, befindlich im Volumen 2. des Grundbuchs des königl. Intendanturamts Willenberg, einer Art Handfeste aus den Zeiten der Hochmeister, die mir abschriftlich Herr Prof. Voigt mitzutheilen die Güte hatte. Unter andern heißt es darin ausdrücklich von den in Rede stehenden Beuthnern, sie sollen überantworten: „vom Biber den Zagel und Geil und die Haut, so soll der Pfleger vor die Hauth geben VIII Scott."

Aber nicht blos im Oberlande, sondern auch in dem übrigen Ostpreußen und Lithauen finden wir Biber, in manchen Gegenden sogar ziemlich häufig. Fast in allen sanft dahin fließenden Gewässern vermißte man sie nicht. Noch im Jahr 1721 fanden sie sich nach Helwing zahlreich im Timber-Flusse zwischen Tilsit und Labiau, im Frischings-Walde in dem sogenannten Biberteich war ihrer eine Menge, im Pregel unterm Königsberg, in der Angerapp und in den Niederungen waren sie nicht selten. Sie kamen im Frühjahr bei hohem Wasserstande zahlreich von Schippenbeil die Alle hinunter und vertheilten sich nun in den Pregel, wo sie an den mit Weldengesträuch besetzten Ufern ihre Baue anlegten. Herr Akademiker v. Baer hat in den Akten der hiesigen Königl. Oberpräsidial-Registratur eine kurze Notiz hinterlassen, laut welcher vor 30 Jahren ein Biber bei Brandenburg gefangen worden, bisher ist es mir aber nicht gelungen, das Umständliche dieser Angabe zu ermitteln und solche schon völlig sicher gestellt zu sehen; höchst wahrscheinlich wird es aber geschehen, da gewiß Mancher noch am Leben ist, der den erwähnten Biber gesehen oder von der Thatsache sonst genaue Kunde erhalten hat.

In der Auxinne, einem Nebenflüßchen des Pregel, welches bei Norkitten sich in denselben ergießt, lassen sich Biber bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts nachweisen. Zu diesem Zweck stehe hier eine briefliche Mittheilung des Oberamtmann Hrn. Kramer aus Sperling vom 7. Februar 1835:

„ So viel mir vom Bibergeschlechte erinnerlich ist will ich hier erzählen. Mein Großvater von mütterlicher Seite, Namens Blumenthal, war Oberförster im Forstamte Pappeln, zwischen den Kirchdörfern Didlacken und Jodlaucken belegen. Ein kleiner Fluß, Auxinne genannt, durchströmte damals die mit allen Holzarten dicht bestandene Forst. In diesem Strome sind nach der Erzählung meiner Mutter mehre von Bibern geschaffene Dämme gewesen, worin diese Thiere in ansehnlicher Zahl gewohnt haben; diese Wohnungen hat meine Mutter als ein Mädchen von 10 bis 12 Jahren selbst gesehen und wiederholentlich uns Kindern von der bewundernswürdigen Bauart derselben erzählt und dieselbe uns beschrieben. — In derselben Zeit ihrer Kindheit habe ein Jägerbursche ihres Vaters einen Biber männlichen Geschlechts lebendig gefangen; dieser war einige Monate lang im Waschhause lebend erhalten; eine dazu eigens gemachte große Wanne sei täglich mit frischem Wasser gefüllt, worein der Biber sich in der ersten Zeit seiner Gefangenschaft jederzeit geflüchtet, wenn Menschen in dem Behältniß erschienen. Seine Nahrung, in Fischen und Küchen-Abgang bestehend, habe er auch nur aus dieser mit Wasser gefüllten Wanne genossen, und nicht angerührt, wenn dieselben Nahrungsmittel ihm neben die Wanne auf trockenem Boden gelegt worden. Nach einiger Zeit sei das Thier jedoch so zahm geworden, daß es von bekannten Menschen seinen Fraß aus der Hand genommen und sich über Kopf und Rücken gleich einem Hunde habe streicheln und liebkosen lassen. Das Thierchen sei nachher, wegen der kostspieligen und mühevollen Unterhaltung, getödtet worden. — Den wohl conservirten Balg habe ich als ein Knabe von 10 Jahren beim Nachfolger meines Großvaters, meinem Onkel, Oberförster Harpe, gesehen. Daß ich diesen Balg gesehen, sind 52 Jahre her, und wenn ich die von meiner Mutter bis dahin verlebte Zeit hinzurechne, so ist der in Rede gestandene Biber in den Jahren 1730 bis 1735 gefangen worden. Das Dasein der Biber in dem beschriebenen Flusse muß wenige Jahre später aufgehört haben, indem schon mein Onkel Harpe bei Antritt seines Dienstes keine Biber, sondern nur wenige Rudera von den Biberwohnungen an den Flußufern der Auxinne vorgefunden hat" .

In dem großen Delta der Memel zwischen der Ruß und Gilge treffen wir die letzten Biber in Preußen an. Se. Exzellenz der Herr Oberpräsident v. Schön hat Nachforschungen zu diesem Zwecke verordnet, und die Mittheilung derselben huldreichst gestattet. In dem amtlichen Berichte des Königl. Landraths Herrn v. Zabeltitz vom Jahr 1828 heißt es: „Biber gab es vor ungefähr 50 Jahren nach der Versicherung alter glaubwürdiger Leute bei Lyckerorth am Kurischen Haff, woselbst sie sogar noch künstliche Baue gehabt haben sollen; ferner am Flüßchen Augotumal, an dem Haffbusen Lank und in der Umgegend häufiger. Der letzte, der im hiesigen Kreise einzeln angetroffen wurde, ward 1806 bei Minge, Kirchspiels Kinten, erschlagen."

In einem ähnlichen amtlichen Bericht des verstorbenen Landraths Schlenther heißt es: „ Alle eingezogenen Nachrichten stimmen darin überein, daß Biber noch etwa vor 20 oder 30 Jahren in den Gewässern der Schneckenschen, Nemonienschen und Ibenhorftschen Forst häufig gefunden worden sind, und ein nicht unbedeutender Gegenstand der Jagd waren. Seit dem gedachten Zeitpunkt läßt sich nirgend mehr eine Spur von ihnen ermitteln. Namentlich wurden im gräflichen Dominio Rautenburg, wo die Biber in der Nähe der Meyrunschen Eszer ihre Baue hatten, die letzten vor 20 oder 30 Jahren geschossen, seitdem aber keines dieser Thiere mehr gesehn."

In einer Beilage zu diesem Bericht ist die Aussage des hochbejahrten Fischer-Bauer Endrus Petrik zu Inse enthalten. Vor 20 bis 30 Jahren haben sich, heißt es hier, sehr viele Biber in den Gewässern von Inse aufgehalten, und ihren Bau so nah' an einander gesetzt, daß im Sommer die Kähne in ihrer Fahrt da, durch behindert gewesen. In der Wilkis-Eszer, wo sie sich sonst aufgehalten, ist keine Spur von einem Biberbau zu finden.

Daß auf Preußischem Terrain an der Memel und ihren Nebenflüssen heut zu Tage noch Biber vorkommen, darf also mit Grund bezweifelt werden; aber in dem weniger bevölkerten Lande ostwärts waren sie sonst sehr verbreitet und sind es noch. Rzaczynsky zählt Lithauen und die Flüsse Podoliens, Tetesef, Assa, Zerew, Berew, Kamionka, Issa, Bober, Zyd, Czartowiec, Hlinna . zu den besuchtesten Orten.

.In Liefland, Esthland und Kurland trifft man den Biber an in Flüssen, die durch einen Wald fließen, oder die mit dichtem Gesträuch bewachsen sind. . So findet man den Biber in der Aa, Peddez, Emst, Ogger, Salis, so wie auch noch in andern dortigen kleinern Flüssen. In Kurland waren sie sonst häufiger als jetzt, nämlich in den Bächen der Doddangernschen u. Essernschen Wälder. Im Revalschen will man ihn nicht gefunden haben. Zahlreich ist er im nördlichen Rußland, aber auch hier ist seine Verminderung schon beträchtlich.

In den früheren Jahrhunderten bis auf den Beginn der christlichen Zeitrechnung zurück und vor derselben muß der Biber auch im westlichen Europa, wo er jetzt fast ganz verschwunden ist, und nur hin und wieder noch sporadisch auftritt, sehr verbreitet gewesen sein; vielleicht war er damals hier so zahlreich, wie im Mittelalter und noch späterhin im östlichen Europa. Strabo erzählt von Bibern in Spanien, als von ganz bekannten Thieren. In Italien soll er an der Mündung des Po gelebt haben, vielleicht auch mehr südlich, und im 13- Jahrh. zur Zeit des Albertus Magnus ist er hier noch vorhanden. In Burgund, Lothringen und am Ursprung der Seine nennt ihn Gesner. Buffon weiß von seinem Vorkommen in Languedoc und auf den Inseln der Rhone. In der Schweiz war er sonst nordwestlich von Zürich. In England fehlt er schon seit 1188. An der Elbe kennt man mit Zuverläßigkeit sein Vorkommen bei Wittenberg und Barby; auch im Anhaltschen ist er vor einigen Jahren wahrgenommen worden. In den Donaugegenden soll er sich finden bei Wien, dann am Einfluß der March, Ips, Ens, Isar, Iller, am Ammer-Fluß etc. Oberhalb der Karpaten führt ihn schon Herodot an. Da sein Vorkommen im westlichen Europa aber nur sehr sporadisch und auf eine geringe Anzahl von Individuen beschränkt ist, so wird er hier wahrscheinlich bald völlig erloschen sein,. so wie er auch von der Weichsel bis zum Niemen in unsern Provinzen gegenwärtig als nicht mehr vorhanden mit Recht betrachtet werden kann, und auch im Europäischen und Asiatischen Rußland ist bei zunehmender Kultur in den Bezirken seiner Verbreitung seine Verminderung natürlich.

Fassen wir das Gesagte ganz kurz zusammen, so ist die Verbreitung des Bibers über die zugleich wasserund waldreichen Gegenden unserer Provinzen in früherer Zeit als faktisch, seine Verminderung seit dem Anfange des 18. Jahrhunderts bei bedeutender Zunahme der Landeskultur und sein völliges Verschwinden um den Beginn des 19. Jahrhunderts als beinahe gewiß anzusehn Ein ähnliches Schicksal ereilte ihn schon vor Jahrhunderten in manchen Ländern Westeuropas, und wie viele dieser Biber mögen im Diluvium, in den Knochenhöhlen und in den Torfmooren Europas ihr Grab haben! Ihre aufgegrabene Reste werden den Naturforschern ohne Zweifel viel zu schaffen machen, da sie noch nicht gehörig auf ihre Verschiedenheit untersucht sind. Vielleicht werden sich diese Reste aber alle auf unsern Biber zurückführen lassen, wenigstens erklärt Cuvier das Trogontherium Werneri des Fischer für einen wirklichen Biber. Wenn also gegenwärtig einzelne Thierarten für die ganze Erde völlig verschwinden, wie vielleicht bald der Auerochs, andere für einzelne Länder gemach spurlos ausscheiden, wie der Biber für Westeuropa und für West« und Oftpreußen, so dürfen wir wohl eine frühere Ausscheidung mancher fossilen Thiere, die jetzt ihres Gleichen unter den Lebenden nicht haben, in ähnlicher Weise auf dem Wege eines langsamen und ruhigen Naturprozesses mit einigem Rechte statuiren, und der Vermuthung Raum geben, daß im großen Lebensorganismus bei dessen stetiger Entwicklung auch manche organische Species völlig untergehe, während andere noch nie wahrgenommene aus den Wogen des unendlichen Lebens beim Eintritt neuer Bildungsepochen auftauchen. um wie jene ebenfalls ihre ungemessene Bahn zu durchlaufen.

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