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Die Waldverderber und ihre Feinde 1876

Kategorie: Literaturzitate

Die Waldverderber und ihre Feinde : ein Handbuch für Forstmänner, Landwirthe, Gärtner und alle mit Waldbäumen Beschäftigte (1876)

Ratzeburg, Julius Theodor Christian, 1801-1871; Judeich, Johann Friedrich, 1828-1894
Berlin : Nicolaische Verlags-Buchhandlung

Seite 275
Kapitel schädliche Wirbelthiere

13. Der Biber.

Castor fiber L.

Der Biber ist das grösste deutsche Nagethier, erreicht die Grösse eines
kleinen Hühnerhundes und ist ausgezeichnet durch den breiten kahlen Schwanz
(Kelle); die Schwimmhäute der Hinterläufe, welche die höchst eigenthümliche
Fährte erklären; die langen, braunen, starken Schneidezähne, die, je mehr
sie durch Schneiden abgenutzt werden, desto stärker nachwachsen; endlich


auch durch seineu werthvollen Pelz. Das struppige Oberhaar ist bräunlich,
selten schwarz (Amerika), sehr selten weiss. Sein innerer Bau zeigt manche
Eigenthümlichkeiten, von denen wir nur erwähnen: den Drüsenpanzer um den
Magen, welcher die Verdauung von Holzspänen möglich macht und Fisch-
nahrung schon a priori widerlegt; die mit dem langen Tauchen zusammen-
hängende Herzbildung; die merkwürdige cloaca, welche unter der Kelle
liegt und äusserlich, wie bei den Vögeln, nur eine Oeffnung zeigt, inwendig
dann aber nach hinten den Mastdarm aufnimmt, vorn beim ( ♂ die Vorhaut
der Ruthe, beim ♀ die Scheide — ; die beiden Geschlechter sind also
äusserlich gar nicht zu unterscheiden, da die Ruthe erst bei der Begattung
durch die cloaca hervortritt. Besonders hervorzuheben ist das Bibergeil
(Castoreum), welches sich bei beiden Geschlechtern in besonderen, grossen
Drüsensäcken findet, die am Hinterleibe unter der Haut liegen und vor dem
After an den Geschlechtsorganen münden. Es sondert sich in diesen Säcken
als eine Anfangs weiche, später aber colofoniumähnliche, krümelige Masse ab,
die in Farbe und Consistenz vielfach variirt. Die fast gänzliche Ausrottung
des Bibers in Deutschland verschuldet zum Theil das werthvolle, als krampf-
stillendes Medicament dienende Bibergeil. Ein einziger Biber kann für
100 Mark und noch mehr Bibergeil liefern.

Der Biber ist ein sehr geschicktes Wassersäugethier, selbst die Otter
muss ihm im Schwimmen und Tauchen weichen. Alle die merkwürdigen,
zum Theil fabelhaften Geschichten von Biberburgen, Biberflüssen, Biber-
röhren beziehen sich darauf, dass er nur in sehr wasserreichen Gegenden
leben kann und manchmal das Wasser kleiner Flüsschen, wenn es zu seicht
wird, durch künstliche Dämme aufstaut. Dazu, wie zur Anlage seiner Burgen
(bei uns nur backofenähnliche Haufen frischer Knüppel), verwendet er die
abgeschnittenen Hölzer, die er lange nicht alle zu seiner Aesung braucht.
Burgen machen die Biber nur da, wo noch viele beisammen leben (Lödderitz).
Wo sie nur noch einzeln vorkommen, sieht man nur ihre Röhren, welche
über dem Wasserspiegel anfangen und dann weit davon im Walde sich öffnen,
ihnen also eine sichere Zuflucht bei zu hohem Wasser gewähren. Bei Hoch-
wasser sieht man sie auch auf hervorragenden Weiden sitzen. Der Biber
ranzt Ende Februar oder Anfang März; das Weibchen wirft nach etwa
6 Wochen 2 bis 3 behaarte Junge, welche 8 Tage blind sind. Nach einigen,
namentlich amerikanischen, Nachrichten soll die Setzzeit erst in den Juni
fallen; wahrscheinlich ist sie nach Ort und Klima verschieden.

Aus den Culturländern verschwindet der Biber mehr und mehr. Nur
in einigen Gegenden, z. B. in der preussischen Oberförsterei Lödderitz an der
Elbe, in Dessau, im südlichen Böhmen auf der fürstlich Schwarzenberg'schen
Herrschaft Wittingau, wird er noch als zoologisch interessantes Thier geschont


und besonders geschützt. Vom forstlichen Standpunkte aus verdient er in-
dessen diesen Schutz keineswegs, welchen ihm indessen gewiss jeder Natur-
freund gern gönnt. Der Biber ist im Stande in einer Nacht schenkeldicke
Stämme — namentlich Aspen und Weiden — zu fällen. Es ist eine über-
raschende Erscheinung, wenn man in der Nähe seines Wassers im Holze
umhergeht und die gefällten Stämme und abgenagten Aeste wie Spreu über-
einander liegen sieht; man wähnt, dass Zimmerleute hier gearbeitet hätten,
und dass auf den geebneten Wegen, welche die Biber mit Zweigen und
Stämmen befuhren, Menschen gegangen seien.

Zuweilen erlaubt er sich auch wohl, über das ihm angewiesene Revier
hinauszugehen, dann muss man ihm freilich das Handwerk legen. Man hat
ihn schon unter Brücken und an Bollwerken damit beschäftigt gefunden, die
Pfähle zu zerschneiden. Die Neustädter Sammlung besitzt den Abschnitt einer
0,3m. starken Eiche, welche so weit von allen Seiten durchgenagt ist, dass
kaum noch ein Zusammenhang zwischen Ober- und Unterstamm blieb, wodurch
das Stück die Gestalt einer Sanduhr angenommen hat. Man sieht aber auch
unzählige Nagestellen an der Schnittfläche. Höchst wahrscheinlich hatten
mehrere Biber zugleich und zu verschiedenen Zeiten daran gearbeitet.

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