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Pierer's Universal-Lexikon 1857

Kategorie: Historische Lexika

Pierer's Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 731-732.

Biber

[731] Biber (Castor), Säugethiergattung aus der Ordnung der Nagethiere u. der Familie Schwimmsüßter, mit oben 2 u. unten 2 meiselförmigen, vorn orangefarbenen Vorder- u. überall 4 Backenzähnen, die schmelzfaltig sind, wenig verschmälerter Schnauze, kurzen kräftigen Beinen, alle mit 5 Zehen, der Zeigefinger mit doppelter Kralle u. die Zehen der größern Hinterfüße sind durch eine Schwimmhaut verbunden. Der Schwanz ist breit, oval, platt gedrückt u. mit Schuppen besetzt, zwischen denen einzelne kurze Haare stehen. Die kurze Schnauze ist sehr stumpf, da die Vorderzähne so groß sind, daß die Lippen sie kaum bedecken können. Die Schnurren daran sind dick, borstig u. nicht sehr lang. Augen klein u. schwarz, Ohren kurz, Deckhaar sein u. glänzend, Wollhaar kurz, sehr weich u. seidenartig. Bei beiden Geschlechtern findet man ferner zwei große birnenförmige Drüsensäcke zwischen den Schenkeln welche eine stark riechende, später verhärtende Flüssigkeit, das Bibergeil (Castoreum), s.d., absondern. Dieses ist gelblich, zähe u. schmierig, von unangenehmem, starkem Geruch u. ekelhaft bitterem Geschmack, u. wird als krampfstillendes, aber etwas erhitzendes Arzneimittel gebraucht; das Weibchen liefert eine geringere Menge; drei Biber geben etwa ein Pfund. Die Biber leben in Erdhöhlen u. im Wasser, nähren[732] sich nur von Pflanzenstoffen, u. man kennt nur eine Art: Gemeiner Biber (Castor Fiber), ist 23/4 Fuß lang, mit 1 Fuß langem Schwanze, u. sein Gewicht ist 40–45 Pfd. Das Wollhaar ist [dunkelgraubraun, das Deckhaar glänzend roßbraun, zuweilen aber auch schwarz, gelblich od. weiß. Der breite fleischige Schwanz ist braunschwarz od. grau. Der Biber lebt in der alten Welt (in Europa u. Asien) zwischen 33. u. 67. Breitegrade, ist jedoch in vielen Gegenden ganz ausgerottet; in Nordamerika ist er weitverbreitet, südlich bis zum 37° nördlicher Breite, u. kommt noch so häufig vor, daß England von da 1835 noch 88,400 Felle erhielt; in Deutschland findet man den Biber nur noch vereinzelt, selten in kleinen Colonien, so z.B. in Baiern an der Donau u. ihren Nebenflüssen, an dem Lech, der Isar u. Iller, ferner in Salzburg, Österreich u. Böhmen, selten auch in Sachsen an der Elbe, Mulde etc. In früheren Zeiten sollen aus Nordamerika allein über 150,000 Felle in den Handel gekommen sein. Vereinzelte B. bauen nur wenig künstlich; da wo sie aber in größeren Gesellschaften leben, führen sie sehr großartige u. künstliche Baue auf. Nach Cartwrights Aussage machen sich z.B. die Biber auf Labrador zu Anfang des August unter dem Wasser ein Loch ins Ufer, schief nach oben gerichtet, mischen unter die ausgescharrte Erde Holzstücke u. Steine u. errichten einen 4–7 F. über die Bodenebene hervorragenden Hügel (Burg), unten 10–12, oben 8–9 F. im Durchschnitt u. höhlen denselben so zu ihrer Wohnung aus, daß sie immer über den höchsten Rande des Wassers bleibt; sie hat an der Vorderseite 1–3 schräge Gänge ins Wasser, unter dem sie immer aus- u. eingehen u. nur eine Kammer, gewölbt wie ein Backofen, neben der Mündung ein Raum als Vorrathskammer, mit Wurzeln u. Baumzweigen angefüllt (denn die Nahrung besteht in Wurzeln u. der saftigen Baumrinde). Ist das Wasser seicht, so machen sie einen Querdamm von Holzstücken, Steinen, Schlamm u. Sand, so fest, daß man darüber gehen kann, der sich allmählig auch mit einer Vegetation überkleidet. Wird auch dadurch das Wasser nicht hoch genug, so bauen sie ihre Wohnung in das Wasser selbst, steigt dagegen das Wasser einmal zu hoch, so machen. sie ein Loch in die Kuppel u. entfliehen. Die Wände glätten sie bei ihren Bauen mit den Füßen, gebrauchen aber nicht den Schwanz als Mauerkelle, wie man sonst angab. Bäumchen von der Stärke eines Spazierstockes fällen sie mit einem Hiebe, dickere nagen sie an einer Seite, sehr dicke rund herum ab, u. zwar so, daß dieselben ins Wasser fallen, kleinere u. Zweige tragen sie mit den Zähnen u. Vorderbeinen fort; zuweilen will man auch in Nordamerika Wohnungen mit mehreren, sogar 15 Zellen gefunden haben. Nach Art der oben beschriebenen Baue hat auch eine Colonie bei Barby (in der Nähe Magdeburgs in Preußen) gebaut. Biberselle sind sehr gesucht; Winter- od. frische Biber sind die lang- u. dichthaarigen Winterpelze, junge Biber, die kaum 2–3 Jahre alten, sind die schönsten u. glänzendsten; Seidenbiber sind vorzüglich schöne, sehr lange, weich- u. glänzendhaarige. Die Wolle wird zu Filzhüten (Castorhüten) etc. gebraucht. Das Fleisch der Biber gilt in katholischen Ländern als Fastenspeise u. der Schwanz wird als Delicatesse betrachtet. Die Ranzzeit des B. fällt ins Frühjahr u. das Weibchen wirft 3–4 blinde Junge, die im 3. Jahre ausgewachsen sind. Der Hund geht dem Biber an, außerdem hat er am Vielfraße u. der Fischotter Feinde. Man schießt ihn von Bäumen beim Eisgange, fängt ihn in Tellereisen, mit Netzen, in Fallen, durch Trockenlegen ihrer Wohnungen od. Ausgraben. Er gehört zur hohen Jagd.

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