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  • Kanadisches Mobilisierungsplakat 2.Weltkrieg

  • Briefmarke Polen Biber 1,25 Zloty

  • Wappen Eno (Finnland)

Allgemeines deutsches Volks-Conversations-Lexikon 1845

Kategorie: Historische Lexika

Allgemeines deutsches Volks-Conversations-Lexikon und Fremdwörterbuch: Ein unentbehrliches Handbuch für Jedermann. Hrsg. von mehren Gelehrten, Band 1
Tramburg's Erben, Hamburg 1845

Biber, zur Ordnung der Säugethiere mit Schwimmfüßen, oder der Amphibien-Säugethiere gehörend, ist eine kolossale, zum Leben im Wasser gebaute Ratte, am ähnlichsten der Wasserratte, hat einen kurzen, zusammengedrückten Kopf, eine dicke stumpfe Schnauze mit starken Barthaaren, oben und unten zwei pomeranzengelbe Schneidezähne, kleine schwarze Augen, kurze zugcrundete Ohren, die im Pelze fast versteckt sind, einen kurzen, dicken Hals, einen gewölbten Rücken, einen herunterhängenden Bauch, sehr kurze, einwärts gehende Beine und einen 11 Zoll langen, 5 Zoll breiten, in der Mitte ein wenig gewölbten Schwanz, der auf beiden Seiten mit graubraunen, schillernden, fünf- und sechseckigen Schuppen bedeckt ist. Die Länge des Thiers von der Nase bis zur Schwanzwurzel beträgt 2 1/2 Fuß, und sein Gewicht wird zu 40—60 Pfund angegeben. Ueber dem kurzen, ungemein weichen Wollhaar von dunkelbrauner Farbe stehen längere rothbraune, feine glänzende Haare, die, je nördlicher die Biber wohnen, um desto dunkler werden; auch findet man gelbliche, schwarze, weiß und grau gefleckte, seltener jedoch weiße Arten. Früherhin fast über ganz Europa verbreitet, finden wir ihn jetzt nur selten in diesem Erdtheile. In Deutschland kommt er noch am häufigsten in Altbaiern vor, an der Donau, auch in der Gegend von Wittenberg und Magdeburg, im Anhaltschen, an der Mulde, der Havel, der Oder, der Weichsel; zahlreicher bewohnt er Rußland, Finnland, Schweden, Norwegen, Sibirien; die meisten aber trifft man in Nordamerika an, vorzüglich um die Hudsonsbei her, die ihr Lieblingsaufenthalt


zu sein scheint. In dem königlichen Garten zu Nymphenburg, bei München, wurden viele Jahre lang mehre Biber in eigenen Teichen gehalten. Sie fraßen die Rinde von Weiden, Birken und dergleichen und spalteten die abgeschälten Stämmchen und Aeste dann in feine längliche Spähne, die sie zu ihrem Lager verwendeten; auch Brot nahmen sie an und besonders gerne Obst, niemals aber Fische und Krebse. — Berühmt sind die Biber durch die große Kunstfertigkeit, mit welcher sie, besonders da, wo sie noch in großer Menge (wie im Innern von Kanada) beisammen sind, ihre Wohnungen am Wasser und selbst Dämme in dasselbe bauen. Wenn auch die Erzählungen vom Bau der Biber häufig übertrieben sein wögen, so bleibt doch gewiß, daß sie dadurch sich weit über die einförmigen Kunsttriebe anderer Thiere erheben. Unweit der Stadt Barby, eine halbe Stunde oberhalb des Ausflusses der Ruthe in die Elbe, finden sich noch jetzt mehre Biberpaare unter der Erde in Gruben, die dem Dachsbau ähnlich, 30 bis 40 Schritte lang sind, mit dem Wasserspiegel gleich hoch laufen und sowohl unter dem Wasser als auf dem Lande Ausgänge haben. In der Nähe der Gruben errichten die Biber sogenannte Burgen, oder 8 bis 9 Fuß hohe, kunstlos zusammengetragene Haufen von Reisig und Weidenknitteln, die Backöfen ähneln. Diese befahren sie im Herbste mit Schlamm und Erde vom Ufer des Flusses, indem sie beides mit der Brust und den Vorderfüßen nach dem Baue schieben. In ihnen finden sie, durch hohen Wasserstand aus den Gruben vertrieben, einen Zufluchtsort. Im Sommer 1822 baueten sie auch Dämme. Der Fluß (die Ruthe) war nämlich zu jener Zeit so seicht, daß die Ausgänge der Röhren im Ufer überall sichtbar wurden und das Wasser unterhalb derselben nur noch einige Zoll tief stand. Sie warfen zu beiden Seiten starke Reiser in den Fluß und füllten die Zwischenräume mit Schlamm und Schilf aus, so daß dadurch der Wasserspiegel oberhalb des Dammes um einen Fuß höher zu stehen kam, als unterhalb desselben. Ucberstieg die Elbe die Wohnungen der Biber, so sah man sie auch am Tage meist auf der Burg oder auf den nahen Weiden liegend. — In Amerika gab es sonst unglaublich viele Biber; die Indianer erlegten nur die zu ihrer Kleidung nöthigen; die Europäer aber machten einen Handelsartikel daraus. Im Jahre 1743 z. B. wurden von Montreal 127.080 Biberfelle nach Rochelle geführt. Der Güte nach theilt man die Felle, die theils als Pelzwerk gebraucht, theils zu feinen Hüten verarbeitet werden; in fette von den Indianern schon getragene, in frische oder Winterfelle, und in getrocknete oder magere, haarlose Sommerfelle: Der Schwanz, der 3 bis 4 Pfund wiegt und aus einer dichten, fettartig knorpeligen Masse besteht, giebt eine köstliche Mahlzeit. Auch das Fleisch, vor Zeiten in den Klöstern eine beliebte Fastenspeise, wird gegessen und von den Indianern zum Aufbewahren gedörrt. Das Schätzbarste aber, was uns das Thier liefert, sind die Beutel, welche das Castoreum oder Bibergeil liefern. Diese schneiden die Jäger, wenn sie einen Biber erlegt haben, heraus. Die amerikanischen werden nie so eigen behandelt, als die russischen, die man gewöhnlich im Rauch trocknet, oft in Schweinsblasen eingebunden. Das beste Bibergeil ist das moskowitische, das gelblich, röthlich oder schwärzlichbraun aussieht, nicht glänzt, sich leicht zerreiben läßt, einen eigenthümlichen Geruch und einen bitterlichen, etwas beißenden, gewürzhaften Geschmack hat. Das Bibergeil wird zu den ätherischen Mitteln gerechnet. Seine Wirkung ist beruhigend, krampfstillend, selbst belebend. (Vergl. Rebau's B.-N.-Gesch. und Meyerinck „Beschreibung einer Bibercolonie".)

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